Ärzte Zeitung, 06.04.2004

Unerkannte Skabies triggert erbliche Dermatose

Hartnäckige Hauterkrankung war ein Morbus Darier / Reiz durch Krätzmilben provozierte Köbner-Phänomen

MAGDEBURG (hsr). Quält Patienten mit chronischer, zunächst nur gelegentlich juckender Hautkrankheit trotz langer Therapie ein zunehmender Pruritus, ist möglicherweise Skabies die Ursache. Denn die Parasitose kann - bleibt sie unentdeckt - ein Triggerfaktor sein für Dermatosen, die durch thermische oder mechanische Reizeffekte ausgelöst werden können.

Obwohl manche Hauterkrankungen wie das bullöse Pemphigoid offenbar oft von der Krätze ausgelöst und verschlimmert werden, wird, wie Dr. Claudia Drewniok berichtet, dieser kausale Zusammenhang doch häufig übersehen. Langdauernde, wenig erfolgreiche Behandlungen belasten dann unter anderen die Betroffenen. Das belege die Krankengeschichte eines Mannes mit exazerbiertem Morbus Darier (JDDG 9, 2003, 722).

Bei dem 44jährigen Patienten hatte sich die Hauterkrankung - vorwiegend hyperpigmentierte warzenähnliche Papeln in der Schweißrinne am Rücken - trotz intensiver ambulanter und stationärer Behandlung über ein Jahr lang nicht gebessert. Besonders ungewöhnlich war der zunehmende starke Juckreiz, der den Mann mehr und mehr belastete, so die Dermatologin von der Universitätsklinik in Magdeburg.

Nach Aufnahme in die Klinik ergab die histopathologische Untersuchung nicht nur die für M. Darier typischen epidermalen Veränderungen, sondern erstmals auch die Diagnose Scabies incognita. Die mikroskopische Suche nach den Kotballen der Krätzmilbe - ein typischer Bestandteil der üblichen Diagnostik - verlief ebenfalls positiv.

Der Patient wurde daraufhin gegen Scabies oral mit einer Einzeldosis von 18 mg des Makrolid-antibiotikums Ivermectin und topisch mit dem Antiparasitosum Allethrin behandelt. Gegen den M. Darier bekam der Mann systemisch das Tretinoinderivat Acitretin und Bade-PUVA (Psoralen plus UVA). Die Bestrahlung erfolgte wegen möglicher physikalischer Reizeffekte mit Exazerbation der Dermatose anfangs allerdings nur in sehr geringer und später langsam gesteigerter Dosis. Die Hautveränderungen nahmen dadurch deutlich und rasch in nur zehn Tagen ab. Vor allem der ausgeprägte Juckreiz ging vollständig zurück.

STICHWORT

Morbus Darier

Die nach dem Erstbeschreiber benannte seltene Dyskeratosis follicularis ist eine autosomal-dominant vererbte Hautverhornungsstörung. Im Gegensatz zu ihrer histologischen Benennung sind die rötlichen Papeln als feste Keratosen nicht auf die Follikel beschränkt, sondern treten auch an der interfollikulären Epidermis sowie follikelfreier Haut und an Schleimhäuten auf. Typische Lokalisationen sind seborrhoische Zonen im Gesicht, am Stamm, behaarten Kopf, außerdem die Anogenitalregion sowie Handteller und Fußsohlen mit typischen Unterbrechungen der Papillarlinien. Die Dermatose kann durch mechanische, thermische oder chemische Reize (Köbner-Phänomen) ausgelöst werden. (hsr)

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