Ärzte Zeitung, 28.07.2004

Das Aufweichen ist der wichtigste Schritt in der Warzentherapie

Viele vulgäre Warzen heilen spontan / Therapie ist ratsam etwa bei Schmerzen

FELDMEILEN (awa). Innerhalb von zwei Jahren heilen drei Viertel der vulgären Warzen spontan - Abwarten ist demnach auch eine legitime Therapie. Behandelt werden sollte jedoch aus kosmetischen Gründen oder um Schmerzen oder Funktionseinschränkungen zu beseitigen. Dann reicht es meistens schon, die Warze konsequent mit Salicylsäure aufzuweichen und mit einem Skalpell abzutragen, auch wenn damit keine Heilung zu erreichen ist.

Vulgäre Warzen, auch Stachelwarzen genannt, treten besonders häufig an den Händen auf. Auslöser sind Papilloma-Viren. Foto: Schauerte

Dieses Fazit ziehen die Dermatologen Dr. E. Paul Scheidegger und Dr. Stephan Domman aus Feldmeilen aus den wenigen verfügbaren evidenzbasierten Daten und aus eigenen Erfahrungen (hautnah dermatologie, 3, 2004, 132). Destruierende Maßnahmen wie Vereisung, Verätzung oder Laserablation seien zwar initial sehr wirksam, aber oft mit Nebenwirkungen wie Erysipel und Infektionen verbunden.

Diese aggressive Therapie sollte den beiden Dermatologen zufolge bei immunsupprimierten und organtransplantierten Patienten angewendet werden, da die Warzen in diesen Fällen meistens auffällig therapieresistent und potenziell onkogen sind.

Patienten mit Warzen klären Scheidegger und Domman meist darüber auf, daß die Spontanheilungsrate hoch ist und nur eine adäquate Immunantwort die humanen Papilloma-Viren nachhaltig vernichten kann. Zwei Monate nach Erstdiagnose sind schon 25 Prozent der Warzen spontan verschwunden, nach drei Monaten sind es 30 Prozent und nach zwei Jahren bis zu 78 Prozent.

Unbedingte Voraussetzung einer Warzenbehandlung sei das Aufweichen des keratolytischen Materials. Dies werde von Ärzten und Patienten häufig vernachlässigt. Ein Salicylpflaster wird dazu für drei Tage auf der Warze belassen, dann die Warze im warmen Wasser und eventuell flüssiger Schmierseife aufgeweicht und schließlich das keratolytische Gewebe vorsichtig mit einem Skalpell abgetragen. Gegebenenfalls wird die Anwendung wiederholt oder die Haut etwa mit Pasta cerata gepflegt.

Dieses Vorgehen reiche häufig schon, um Schmerzen, Funktionsbehinderungen und kosmetisch-ästhetische Beeinträchtigungen zu beseitigen, berichten Scheidegger und Domman. Je nach Bedürfnissen, Erwartungshaltung und Indikation könne nach zwei bis vier Wochen Keratolyse anschließend eine destruierende Therapie begonnen werden.

Eine weiterführende Therapie zum Beispiel mit Diphenylcypron (DCP), Cignolin oder Retinoiden habe zwar den Vorteil, daß sie langfristig eine Heilung bewirken könne. Aber die Behandlung sei recht aufwendig und nur etwa 60 Prozent der Patienten würden darauf ansprechen.

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