Ärzte Zeitung, 02.03.2005

Zellzucht auf dem Körper soll Transplantation überflüssig machen

Forscher wollen eines Tages vorgezüchtete Epithelzellen auf die Wunde sprühen

BERLIN (gvg). Um langwieriges Züchten von Hautzellen in der Kulturschale für die Eigenhauttransplantation nach Verbrennungen zu umgehen, könnten diese Zellen in Zukunft auf der Wunde selbst gezüchtet werden. An einem dafür nötigen, auf die Haut aufsetzbaren Bioreaktor wird in Berlin geforscht.

"Das Problem bei Verbrennungsopfern ist, daß traditionelle Spalthauttransplantate für großflächige Wunden nicht ausreichen, und daß die Anzucht von Kulturhaut aus patienteneigenen Epithelzellen drei Wochen und länger dauert", sagte Dr. Bernd Hartmann vom Zentrum für Schwerbrandverletzte am Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn. Hartmanns Abteilung arbeitet deswegen mit Kollegen des Berliner Virchow-Klinikums und dem Unternehmen Hybrid Organ an Alternativen, um die Behandlung von Verbrennungsopfern zu beschleunigen.

"Was wir versuchen wollen ist, eine Zellsuspension mit noch nicht ausdifferenzierten Epithelzellen nach einer Woche in Zellkultur auf die Wunde aufzusprühen", so Hartmann auf einer Veranstaltung des Bundesverbands Medizintechnologie.

Damit diese Zellen sich weiter vermehren, um sich am Ende nach dem Anwachsen an Dermis oder Dermisersatz selbst ernähren zu können, ist eine Zeit lang ein Bioreaktor nötig, analog dem, der auch im Labor eingesetzt wird, um Kulturhaut zu gewinnen. Im wesentlichen handelt es sich dabei um Folien, die eine abgedichtete Flüssigkeitskammer über den Wunden bilden müssen.

Genau so ein System wird von dem Berliner Verbundprojekt gerade entwickelt, auch wenn es von einem Einsatz am Patienten noch ein Stück entfernt ist, wie Hartmann betonte. Die große Vision dabei ist es, langfristig nicht nur Epidermis, sondern komplette Haut direkt vor Ort auf den Verbrennungswunden heranzuzüchten.

Dazu freilich müßten nicht nur Epithelzellen, sondern auch Bindegewebszellen mit in die Zuchtkammer, die dann das kollagene Bindegewebe der Dermis aufbauen würden. Bisher wird hier noch mit Dermisersatzverfahren gearbeitet, bei denen meist kollagenhaltige Folien zum Einsatz kommen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »