Ärzte Zeitung, 30.11.2004

Die Zeit des Schwitzens beginnt - goldene Regeln für die Sauna

Sauna-Neulinge mit Herzproblemen sollten erst den Arzt fragen / Ein Saunagang sollte nicht länger als 15 Minuten dauern

Von Susann Huster

Schweißtreibend: In der Sauna schwitzt man besser, wenn man vorher die Haut gut abtrocknet. Foto: Finnisches Fremdenverkehrsamt

In der ungemütlichen, kalten Jahreszeit erinnern sich viele wieder an das wunderbare Gefühl der Entspannung und Ausgeglichenheit nach einem Saunabesuch. Tatsächlich hat erst vor kurzem wieder für viele Saison-Saunierer die Zeit des Schwitzens begonnen. Richtige Fans gönnen sich dieses Vergnügen das ganze Jahr über.

Besonders nach dem Sport wirken zwei bis drei Saunagänge wahre Wunder. Allerdings müssen auch beim Saunieren einige goldene Regeln eingehalten werden, damit das Schwitzen auf den Holzbänken nicht zum Gesundheitsrisiko wird.

Wichtig ist zunächst, sich nicht abgehetzt ins Saunavergnügen zu stürzen sowie außer zwei großen, flauschigen Handtüchern, Badeschuhen, Duschbad und Shampoo genügend Zeit mitzubringen. Ausgehungert sollte man nicht die Sauna besuchen. Ein belegtes Brot vor der Schwitzkur fördert das Wohlbefinden. Sauna-Neulinge mit Herzproblemen oder anderen schweren Krankheiten sollten vor der Premiere ihren Arzt befragen. Gibt dieser grünes Licht, steht dem gesunden Freizeit-Spaß nichts entgegen.

Duschen vor der Sauna, um den Fettfilm der Haut zu entfernen

Vor dem ersten Saunagang sollte zunächst ausgiebig mit Duschgel geduscht werden, um den Fettfilm der Haut zu entfernen und so besser schwitzen zu können. Danach wird von Fachleuten gründliches Abtrocknen empfohlen, da trockene Haut schneller schwitzt als feuchte. Für die finnische Sauna, die etwa 70 bis 100 Grad Celsius heiß ist, gilt: intensiv, aber kurz schwitzen. Empfehlenswert ist es, sich auf der zweiten oder dritten Bank ein gemütliches Plätzchen zum entspannten Sitzen oder noch besser zum Liegen zu suchen, denn dann kann sich der Körper gleichmäßig erwärmen. Dabei ist zu beachten, daß die Hitze ganz oben am größten ist.

Nicht weniger als acht und nicht länger als 15 Minuten sollte ein Saunagang dauern. Stets muß ein Handtuch die gesamte Liegefläche bedecken, damit kein Schweiß aufs Holz gelangt. Die letzten ein bis zwei Minuten sollte man sich auf die unterste Stufe setzen, um den Kreislauf wieder an die aufrechte Haltung zu gewöhnen.

Jede gute Sauna bietet einen Outdoor-Bereich an, wo man unmittelbar nach dem Verlassen der Sauna die Atemwege kühlen kann. Danach ist es ratsam, sich unter eine kalte Dusche zu stellen und zuerst die Beine und Arme, zuletzt den Rumpf und das Gesicht abzukühlen. Der kühle Wasserstrahl sollte immer zum Herzen hin führen. Ganz Mutige können für einige Sekunden bis zum Hals ins Tauchbecken einsteigen.

Soll der Effekt verstärkt werden, kann die Abkühlphase durch warme Fußbäder ergänzt werden. Generell gilt beim Abkühlen: Lauwarmes oder warmes Wasser ist Tabu, denn es bringt den Saunafreund um das entspannende Gefühl danach. Nach jedem Saunagang sind mindestens zehn bis 15 Minuten Ruhe erforderlich, um den Körper zu entspannen. Deckt man sich dabei mit einer Decke zu oder zieht man einen Bademantel an, verhindert man, daß der Körper auskühlt.

Mehr als drei Saunagänge laugen den Körper zu sehr aus

Bis zu drei Saunagänge werden von Fachleuten empfohlen, mehr laugen den Körper zu sehr aus. Nicht ratsam ist es, zwischen dem ersten und dem zweiten Gang etwas zu trinken, da Flüssigkeit den Entschlackungseffekt hemmt. Nach dem Saunabesuch braucht der Körper dann aber mindestens einen Liter Wasser.

Der Aufguß ist für Fans der Höhepunkt jedes Saunaganges. Dabei erhöht sich die Luftfeuchtigkeit kurzzeitig von zehn auf 30 Prozent. Der Saunierende empfindet dadurch die Hitze wesentlich stärker. Ätherische Öle helfen beim Durchatmen und intensivieren das Schwitzerlebnis.

Auch beim Saunieren gibt es einige Sünden, die vor allem von Anfängern immer wieder begangen werden. So sollte man beispielsweise die Sauna nie mit Badebekleidung und Badeschuhen betreten. Auch Hektik und zu kleine oder gar keine Ruhepausen wirken sich negativ aus. Ebenso ist zu intensive Bewegung oder gar Sport zwischen den Gängen keinesfalls vorteilhaft. Hält man diese Grundregeln ein, ist Saunieren für jeden Menschen etwas - sogar für Babys, Schwangere und über 80jährige.

Es verbessert die Durchblutung und stärkt das Immunsystem. Streßreize werden besser verarbeitet. Zudem wird die Haut gereinigt und entschlackt, was das Hautbild verbessert und so manchen Saunagänger einfach etwas jünger aussehen läßt. Bei so vielen positiven Effekten wundert es nicht, daß die Schwitzkultur weit über das Sauna-Ursprungsland Finnland hinaus Fans in aller Welt hat.

Sauna und Co.: Spielarten der Schwitzbäder

Am weitesten verbreitet ist die klassische finnische Sauna. Ihre zwei Grundelemente sind Aufheizen und Abkühlen. Dabei ist der Wechsel zwischen beiden Reizen extrem: In der finnischen Sauna ist die Luft sehr heiß - etwa 80 bis 100 Grad Celsius - und das Wasser zum Abkühlen entsprechend sehr kalt. Charakteristisch ist die Trockenheit der Luft. Trotz der extremen Gegensätze wird die finnische Sauna als entspannende Angelegenheit von Ärzten für eine breite Zielgruppe empfohlen.

Das traditionelle Dampfbad führt heute eher ein Schatten-Dasein. Dabei ist das Dampfbad für den Körper nicht stärker belastend als ein Saunaaufenthalt. Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit beträgt die Temperatur nur 50 Grad Celsius. Es empfiehlt sich ein Aufenthalt von 15 bis 20 Minuten.

Das feuchtwarme Bad oder Sanarium ist eine kreislaufschonende Saunavariante. Die Temperatur beträgt zwischen 45 und 60 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Diese Saunaform wird häufig auch als Euka-Sauna - mit Eukalyptus-Aroma - oder als Kräuter-Sauna - mit Kräuter-Aromen - angeboten. (ddp)

Weitere Infos im Internet unter: www.saunasauna.de

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