Mittwoch, 8. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 24.02.2005

Sonne plus Farbstoff lassen Lippen aufquellen

Permanent Lip-Liner im Lippenrand kann unter UV-Licht zu einer granulomatösen allergischen Reaktion führen

HEIDELBERG (hsr). Die Sonne bringt es an den Tag: Bleibende schmückende Tätowierungen in sensibler Gesichthaut, zum Beispiel mit Permanent Lip-Liner zur Verschönerung und Konturierung des Mundes, können bei intensiver UV-Exposition schwere allergische granulomatöse Komplikationen verursachen. Potente topische Steroide sind dann - vor invasiven Maßnahmen - einen Therapieversuch wert.

Diese Frau hat sich Permanent Lip-Liner in die Lippen injiziert. Unter UV-Exposition entwickelte sich eine allergische Reaktion. Foto: Dr. Claudia Jäger, Uniklinik Heidelberg

Permanent Make-up - vor allem Permanent Lip-Liner - ist vor allem bei jüngeren Frauen voll im Trend. Für diese Form der Schmucktätowierung wird in den Lippenrand mit einer feinen Kanüle unlösliches Farbpigment in das obere bis mittlere Korium gespritzt. Als Reaktion auf Schmucktätowierungen bekannt sind mehrere Dermatosen: Sarkoidose, Pseudolymphome, Fremdkörpergranulome oder allergische Reaktionen.

Oftmals ist eine verstärkte UV-Belastung der entscheidende Provokationsfaktor bei der Erstmanifestation.

So auch bei einer 47jährigen Patientin, deren Kasuistik Dr. Claudia Jäger von der Universitäts-Hautklinik vorstellt (Der Hautarzt 1, 2005, 63). Die Frau hatte sich Permanent Lip-Liner perioral in die Lippen injizieren lassen und den schwärzlichen Farbstoff - in der Regel wird allerdings der Farbton Rot verwendet - zunächst über ein Jahr komplikationslos vertragen.

Zwei Tage nach einer Bootsfahrt an einem wolkenlosen Sommertag waren jedoch plötzlich derbe, linear angeordnete Papeln im gesamten Bereich des Lip-Liners aufgetreten. Diagnostiziert wurde daraufhin eine durch Sonnenlicht ausgelöste allergische granulomatöse Fremdkörperreaktion auf im Farbstoff enthaltenes Eisenoxid, Äthanol und Glyzerin.

Zwar ist, so die Dermatologin, die Totalexzision des Tatoos bei Reaktionen auf klassische Tätowierungen häufig unausweichlich, bei Komplikationen auf Permanent Lip-Liner sollte dieses Vorgehen aber nicht Therapie der ersten Wahl sein. Denn diese invasive Maßnahme rufe eine ausgedehnte periorale Narbe hervor, was die Frau wahrscheinlich stark kosmetisch beeinträchtigt hätte.

Deshalb empfiehlt Jäger, bei solchen Läsionen zunächst mit potenten topischen Steroiden zu behandeln: Durch Mometasonfuorat, mehrmals täglich vorsichtig mit einem Wattestäbchen nur auf die Papeln aufgetragen, heilten die Läsionen bei der Patientin innerhalb dreier Wochen ohne Rezidiv bis zur Kontrolle ein Jahr später ab.

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Trägt Brooke das Geheimnis ewiger Jugend in sich?

Sie ist 19 Jahre alt, aber körperlich und geistig noch ein Baby: Brooke Greenberg ist weltweit einzigartig, ein medizinisches Rätsel. Für sie scheint die Zeit tatsächlich still zu stehen. mehr »

Spalten regionale Honorare die Ärzteschaft?

Der Traum von der regionalen Honorarfreiheit ist mit dem Versorgungs­gesetz Wirklichkeit geworden. Trotzdem trennt es die KVen in zwei Lager: Während die einen fürchten, dass es in ihren Praxisreihen Honorar-Verlierer gibt, strotzen die anderen vor Optimismus. Das zeigt eine Umfrage der "Ärzte Zeitung". mehr »

TV-Kritik: Rudi Assauer - einem Macher entgleitet sein Leben

Journalistin Stephanie Schmidt hat den demenzkranken Ex-Fußballmanager Rudi Assauer ein Jahr lang begleitet - und seinen geistigen Verfall in einem Film dokumentiert. Entstanden ist eine kleine Sternstunde. Ihre Reportage war Dienstagnacht bei "37 Grad" zu sehen. Eine TV-Kritik. mehr »