Ärzte Zeitung, 06.05.2005

HINTERGRUND

Aktinische Keratosen wandeln sich vor allem bei Organ-Empfängern schnell in Karzinome um

Von Constanze Löffler

Lichtschwielen: aktinische Keratose an der Ohrmuschel. Foto: Shire Deutschland

Pünktlich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen hat die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) die neuen Leitlinien "Aktinische Keratosen" veröffentlicht. Die sogenannten Lichtschwielen werden dabei als Carcinoma in situ beurteilt. Mit der neuen Leitlinie reagiert die DDG auf die steigenden Zahlen beim hellen Hautkrebs. Eine frühzeitige Therapie bei aktinischer Keratose soll helfen, aggressivere Formen des hellen Hautkrebses zu vermeiden.

Aktinische Keratosen sind bereits eine Volkskrankheit

In den neuen Leitlinien definiert die DDG aktinische Keratosen als überwiegend UV-bedingte Hautschäden. Sie entstehen mit einer Latenz von bis zu 20 Jahren in erster Linie durch zuviel Sonne und treten vor allem bei älteren Menschen in Erscheinung. Und das offenbar immer häufiger: In Deutschland haben aktinische Keratosen mittlerweile die Dimension einer Volkskrankheit. Nach Untersuchungen sind mindestens sechs bis zehn Millionen Menschen erkrankt.

Bei den über 40jährigen wird die Prävalenz auf 15 Prozent geschätzt. Und bereits jeder zweite der über 60jährigen ist betroffen - Männer aufgrund der Glatzenbildung besonders häufig. Die Tendenz ist in allen Ländern steigend. Zunehmend verschieben sich aber die Altersgrenzen hin zu jüngeren Patienten: Nach einer US-amerikanische Studie sind in den USA bereist 25 Prozent der über 30jährigen betroffen. Mit der Prophylaxe sollte früh begonnen werden. "Eltern sollten bei ihren Kindern daher außer auf Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auch auf einen Schutz der Haut durch Mütze und Hemdchen achten", so Professor Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorzentrums an der Charité Berlin, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Die Gründe für die Zunahme dieser Hautkrankheit sind vielfältig: Einerseits ist die UV-Intensität in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen - so dehnte sich im März dieses Jahres ein ungewöhnlich großes Ozonloch über Mitteleuropa aus. Andererseits verbringen viele ihre Freizeit vermehrt draußen, buchen Fernreisen in sonnige Gefilde, und Sonnenstudios haben selbst im Sommer Konjunktur.

Hautkrebs tritt bei zwei von drei Organ-Empfängern auf

Besonders gefährdet sind aber nicht nur Menschen mit hellem Hauttyp, also Typ I und II, sondern auch immunsupprimierte Patienten, da deren körpereigene Reparationsmechanismen herabgesetzt sind: Bis zu zwei von drei Patienten nach einer Organtransplantation erkranken an Hautkrebs, so Stockfleth.

Die Umwandlung der aktinischen Keratosen zum invasiven Plattenepithelkarzinom verläuft bei immunsupprimierten Patienten weitaus schneller als bei gesunden Menschen: Bei Gesunden besteht für jeden zehnten die Gefahr einer Progression in ein Spinaliom, bei immunsupprimierten Patienten immerhin für jeden dritten. Das Risiko für einen malignen Hauttumor steigt mit der immunsuppressiven Dosis.

Aktinische Keratosen bilden sich vor allem auf den Sonnenterrassen: Gesicht, Nacken, Handrücken und Unterarme. Zunächst bilden sich auf der Haut scharf begrenzte Rötungen mit leichter Schuppung. Sie entwickeln sich zu ausgeprägten, weißlich-gelbbraunen Verhornungen, die einen Umfang von bis zu zwei Zentimetern erreichen. Seltener sind Juckreiz, Brennen oder Blutungen. Häufig werden aktinischen Keratosen mit altersbedingten Pigmentveränderungen verwechselt. An der malignen Transformation sind aber nicht nur Gendefekte durch UV-Schäden, sondern auch kutane humane Papillomviren (HPV) beteiligt.

Früher standen mechanische Therapieverfahren wie Kryotherapie, Kürettage und Laser im Vordergrund, heute werden bei großflächigen Erkrankung verstärkt topische Therapien angewendet. Die bisher etablierte Therapien werden in den neuen Leitlinien vorgestellt.

Bewährt bei der topischen Therapie haben sich Diclofenac-Gel mit Hyaluronsäure. Das farblose Dermatikum ist gut wirksam und verträglich und wird von den Kassen erstattet. Bei der Behandlung mit dem topischen Immunmodulator Imiquimod werden Rezeptoren des unspezifischen Immunsystems, sogenannte Toll-Like-Rezeptoren, aktiviert und die Langerhansschen Zellen angeregt, sich zu wehren. "Obwohl die Behandlung in klinischen Studien sehr erfolgreich war, ist das Präparat hierzulande bei aktinischen Keratosen noch nicht zugelassen", so Stockfleth, der die DDG-Leitlinie maßgeblich mitentwickelt hat.

Sauerstoff aus Medikament zerstört pathogene Zellen

Eine neue Therapieoption ist die Photodynamische Therapie. Dafür wird eine spezielle Creme mit Lichtsensibilisator aufgetragen, die sich im Tumorgewebe anreichert. Nach Lichtbestrahlung bildet sich zelltoxischer Sauerstoff, der die krankhaften Zellen zerstört. In Deutschland ist die Substanz Methyl-Amino-Oxo-Pentanoat (MAOP, erhältlich als Metvix®) in Kombination mit einer Lichtquelle gegen aktinische Keratose zugelassen. Eine Kostenübernahme dieser Therapie durch die Kassen erfolgt bisher nicht.

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