Ärzte Zeitung, 27.07.2005

HINTERGRUND

Statussymbol braune Haut - wer das mit Chemie bekommen will, kann unangenehm überrascht werden

Von Swanett Koops

Gebräunte Haut gilt als eine Art Statussymbol. Wer keine Zeit zum Sonnenbaden hat, könnte etwas nachhelfen. Es gibt verschiedene Selbstbräuner und Bräunungsbeschleuniger auf dem Markt. Was diese können und wie verträglich und sicher sie sind, haben Dr. Christina Burdinski von der Klinik für Dermatologie am Uniklinikum Mannheim und ihre Kollegen genauer untersucht.

Süßstoff Dihydroxyaceton färbt obere Hautschicht braun

Der am häufigsten verwendete Wirkstoff in Selbstbräunern ist der Süßstoff Dihydroxyaceton (DHA). Seine Bräunungseffekt wurde 1920 zufällig entdeckt: Bei der Austestung verschiedener Süßstoffe fiel DHA dadurch auf, daß es bei Kontakt mit der Haut braune Spuren hinterließ. Damals war dieser Effekt unerwünscht. Heute nutzen ihn diejenigen, die schnell braun werden möchten.

DHA reagiert in der obersten Schicht der Epidermis mit Proteinen, wobei sich ein Melanin-ähnlicher brauner Farbstoff bildet. Allerdings: "Bei der Anwendung gibt es einiges zu beachten, um passable Erfolge zu erzielen", so Burdinski: Das Mittel muß gleichmäßig aufgetragen werden, Hornhaut sollte zuvor mit einem Peeling entfernt werden, da diese sich sonst dunkler färbt. Der Erfolg wird nach etwa einer Stunde sichtbar.

Bei heller Haut kann es zu gelbstichigen Brauntönen kommen. Außerdem verströmt DHA einen charakteristischen Geruch, der sich auch nicht mit Parfum überdecken läßt, so Burdinski. Und noch einen Nachteil gibt es bei dieser Form der Bräunung: "Es besteht der Verdacht, daß Selbstbräuner zu einem DNA-Schaden und zu einer erhöhten Apoptoserate führen", berichtet Burdinski (Akt Dermatol 31, 2005, 263).

Bräunungsbeschleuniger sollen Melanozyten stimulieren

Ein weiterer Versuch kann mit Bräunungsbeschleunigern gestartet werden. Die Effektivität dieser Mittel, die die Melanin-produzierenden Melanozyten stimulieren sollen, konnte in Studien bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Dafür haben es die Bräunungsbeschleuniger in sich, nämlich eine bunte Mischung an nicht immer harmlosen Inhaltstoffen.

Darunter ist auch natürliches Melanin, das der Haut zwar die gewünschte Bräune verleiht, aber schon bei der nächsten Dusche mit in den Abfluß rauscht. Andere Inhaltsstoffe, etwa Muskatnuß, fördern die Durchblutung und täuschen einen Bräunungseffekt auf diese Weise nur vor.

Gefährlich wird es bei pflanzlichen Ölen, die phototoxische Reaktionen hervorrufen können. Burdinskis Fazit: "Bräunungsbeschleuniger zeigen keine effektive Wirksamkeit, sondern eher ein hohes Gefahrenpotential im Hinblick auf phototoxische oder photoallergische Reaktionen."

Aber es gibt ja noch die Bräune, die von innen kommt. Bekanntlich lagert sich Betacarotin in der Haut ab und führt zu einem gelblich-braunen Hautton. Doch wer auf diese Weise den Hautton ändern möchte, muß nach Burdinskis Angaben fünf Kilogramm Möhren am Tag verzehren.

Ein Kilo enthält etwa 70 mg Betacarotin. Doch nur etwa zehn Prozent werden aus rohen Möhren resorbiert. Wer keine Möhren mag, kann Betacarotin auch in Kapseln einnehmen.

Also aus der Traum von der schnellen Bräune ohne Urlaub? Eine Möglichkeit gibt es noch: Die subkutane Injektion von Melanin-stimulierendem Hormon (MSH). Über zehn Tage täglich einmal gespritzt steigere diese Behandlung nachweislich die Melaninproduktion, so Burdinski. Doch auch hier gibt es einen Schönheitsfehler: Unerwünschte Effekte sind etwa Flush, Müdigkeit und Übelkeit. Männer können noch ganz andere Probleme bekommen: Einige bekommen durch MSH-Injektionen sogar einem spontanen Priapismus.

Vornehme Blässe ist das gesündeste Schönheitsideal

Alles in allem scheinen also die Bemühungen um einen braunen Teint entweder erfolglos oder gefährlich zu sein - was natürlich auch für ausgiebige Sonnenbäder gilt. Deshalb Burdinskis pragmatische Überlegung: "Gesünder wäre die Rückkehr zum alten Schönheitsideal, der vornehmen Blässe des 19. Jahrhunderts."

STICHWORT

UVA-Licht sorgt für schnelle Bräune

Hautbräune entsteht durch das in den Melanozyten gebildete Melanin. Dieses entsteht in speziellen Kompartimenten der Zelle, den Melanosomen, als Produkt bei der Metabolisierung der Aminosäure Tyrosin. Die Melanosomen mit dem Farbstoff werden dann in die Keratinozyten geschleust, wo sie ihre eigentliche Aufgabe erfüllen, nämlich das für die Haut schädliche UV-Licht zu absorbieren oder zu reflektieren und freie Radikale abzufangen.

Bei UVA-Bestrahlung wird die Umwandlung der Melanin-Vorstufen in Melanin sowie der Transport in die Keratinozyten beschleunigt. Das UVA-Licht liefert somit schnelle Bräune, die aber nicht besonders lang anhält. Die UVB-Bestrahlung sorgt für länger anhaltende Bräune, indem sie die Synthese des Enzyms steigert, das bei der Melanogenese benötigt wird. Außerdem nehmen Zahl der Melanosomen und Menge des enthaltenen Melanins zu. (sko)

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