Ärzte Zeitung, 22.11.2005

Indikationsspektrum für TNF-alpha-Blocker erweitert

Bei 80 Prozent der Patienten mit Plaque-Psoriasis vermindern sich mit Infliximab Hautsymptome stark / Gute Verträglichkeit bestätigt

MÜNCHEN (wst). Für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis gibt es mit dem TNF-alpha-Blocker Infliximab eine neue effektive Option. Dies gilt für Patienten, die auf andere systemische Behandlungen einschließlich Ciclosporin, Methotrexat oder PUVA nicht angesprochen haben, die eine solche Therapie nicht vertragen oder bei denen sie kontraindiziert ist.

Für die neue Indikation liegen für Infliximab (Remicade®) günstige Ergebnisse vor allem zwei Studien vor: aus den doppelblinden, Placebo-kontrollierten Zulassungsstudien EXPRESS (European Infliximab for Psoriasis Efficacy and Safety Study) und SPIRIT (Study of Psoriasis with Infliximab Induction Therapy) mit über 600 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis.

In der EXPRESS-Studie etwa hatte sich der Hautbefund entsprechend des PASI (Psoriasis Area Severity Index)-Scores, der Ausdehnung und Schwere der Hautläsionen berücksichtigt, zehn Wochen nach Beginn der Infliximab-Therapie bei 80 Prozent der Patienten um mindestens 75 Prozent gebessert (wir berichteten).

    Auch zusätzliche Nagel-Psoriasis vermindert sich deutlich.
   

Mit Placebo galt das nur für drei Prozent der Patienten. Eine solche Besserung des Hautbefundes war auch nach der 24. Therapiewoche noch bei 82 Prozent der mit Infliximab Behandelten festzustellen. Nach weiteren 26 Wochen der dann offen weitergeführten Studie hatten mit der Antikörper-Therapie 61 Prozent der Patienten einen PASI-Wert, der um mindestens 75 Prozent niedriger war als zu Studienbeginn.

Bei einer Therapie mit Infliximab verminderte sich auch eine mögliche begleitende, sonst oft therapieresistente Nagel-Psoriasis deutlich. Und bei gar nicht so seltener gleichzeitiger Psoriasis-Arthritis ließen sich gut und schnell "zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", sagte Professor Kristian Reich von der Universität in Göttingen bei einer Veranstaltung in München.

Da in der Pathogenese der Plaque-Psoriasis die übersteigerte Produktion des Zytokins TNF (Tumornekrosefaktor)-alpha von großer Bedeutung sei, sei die Anwendung von TNF-alpha-Blockern in dieser Indikation eine logische Konsequenz, so Reich bei der von Essex Pharma unterstützten Veranstaltung.

Nicht jeder Patient mit einer mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis sei Kandidat für Infliximab oder einen anderen TNF-alpha-Blocker, erinnerte Professor Ulrich Mrowietz vom Universitätsklinikum Kiel. Wenn aber herkömmliche Therapien nicht helfen, sie nicht vertragen werden oder kontraindiziert sind, dürfe allein der Preis der Innovation kein Gegenargument sein.

Der monoklonale Antikörper Infliximab hat sich weltweit bereits bei über 600 000 Patienten mit anderen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn, ankylosierender Spondylitis und auch schon bei Psoriasis-Arthritis gut bewährt. Die zu beachtenden Vorsichtsmaßnahmen sind aus diesen Anwendungen wohl bekannt, wie bei der Veranstaltung betont wurde.

Da TNF-alpha für die Infektabwehr wichtig sei, müßten schlummernde Infektionen, etwa eine Tuberkulose, vor Therapiebeginn mit einem TNF-alpha-Blocker ausgeschlossen werden, erinnerte Mrowietz. Und während der Therapie sei gewissenhaft auf auch diskrete Zeichen schwerwiegender Infektionen zu achten.

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