Ärzte Zeitung, 12.12.2005

Kalte Finger und dicke Nagelhäutchen deuten auf Sklerodermie

Lassen sich im Blut antinukleäre Antikörper nachweisen, ist eine Kollagenose wahrscheinlich / Frühe Therapie hemmt Bindegewebsproliferation

FRANKFURT/MAIN (sko). Klagen Patienten immer wieder über kalte Hände, sollte man sich diese Hände ganz genau anschauen. Fallen dabei Veränderungen an der Nagelfalz auf, könnte eine Kollagenose wie die systemische Sklerodermie Ursache der Beschwerden sein. Dann muß schnell behandelt werden, um das Risiko für gefährliche Komplikationen zu mindern.

Werden bei Patienten die Finger infolge einer funktionellen Gefäßstörung anfallsartig kalt, steckt oft ein Raynaud-Syndrom dahinter. Aber eben nicht immer: "Bei einem kleinen Teil der Patienten ist es ein frühes Symptom einer chronischen Bindegewebsentzündung", so Professor Thomas Krieg von der Universität Köln.

Und diese Patienten gilt es frühzeitig zu identifizieren. Dies gelingt meist mit dem Blick auf die Nägel in Kombination mit einer Laboruntersuchung. Ein typisches Zeichen sind verdickte und schmerzempfindliche Nagelhäutchen, zudem kann es zu Einblutungen in die Nagelfalz kommen. Lassen sich dann im Blut der Patienten antinukleäre Autoantikörper nachweisen, sei eine Kollagenose, so der Sammelbegriff für diese Autoimmunerkrankungen, sehr wahrscheinlich.

Die Patienten sollten dann schnell behandelt werden, denn schreitet die Kollagenose so weit voran, daß auch die Lunge von der chronischen Gefäßentzündung und Fibrosierung betroffen ist, ist die Prognose für die Patienten schlecht: "Lungenkomplikationen sind bei Patienten mit systemischer Sklerodermie die häufigste Todesursache", sagte Privatdozentin Gabriele Riemekasten von der Charité in Berlin auf einer Veranstaltung von Actelion in Frankfurt/Main.

Riemekasten nannte eine Studie mit 500 Patienten mit systemischer Sklerodermie. Bei 38 Prozent der 145 Patienten, die während der Studie starben, war eine Lungenfibrose oder eine arterielle pulmonale Hypertonie als Folge der Lungenveränderungen die Todesursache. Bisher gebe es noch keine Möglichkeit, durch eine Therapie die Krankheitsursachen zu beseitigen, sagte Krieg. Aber symptomatisch böten sich einige Optionen an, etwa der Endothelin-Rezeptorantagonist Bosentan (Tracleer®). Denn der wirke nicht nur direkt der Vasokonstriktion entgegen, sondern hemme auch Entzündungsvorgänge sowie die Bindegewebsproliferation.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »