Ärzte Zeitung, 15.12.2005

Neue Mittel dringen nur in entzündete Haut ein

Topische Calcineurin-Hemmer wirken bei Barrieredefekt / Lange Halbwertszeit ist ein weiterer Vorteil

DAVOS (sto). Die topischen Calcineurin-Hemmer Pimecrolimus und Tacrolimus, die zur Therapie bei atopischer Dermatitis zur Verfügung stehen, haben nach Ansicht von Privatdozent Christian Termeer aus Stuttgart im Vergleich zu Kortikosteroiden zwei wesentliche Vorteile: Sie haben eine lange Halbwertszeit und dringen nur in entzündete Haut gut ein.

Da Calcineurin-Antagonisten eine größere Molekülgröße haben, dringt der Wirkstoff nur dann in die Haut ein, wenn ein Barrieredefekt besteht, hat Termeer bei einer Dermatologie-Tagung in Davos erläutert.

"Bei entzündeter Haut dringt viel Substanz ein. Je weiter die Heilung voranschreitet, um so weniger dringt ein", so Termeer. Kortikosteroide hingegen dringen immer in die Haut ein, was zur Akkumulation mit entsprechenden unerwünschten Wirkungen führe.

    Substanzen eignen sich gut zum Erhalt der Therapie.
   

Als weiteren Vorteil von Pimecrolimus (Douglan®, Elidel®) und Tacrolimus (Protopic®) nannte Termeer die ausgeprägte Lipophilie der Substanzen, was eine sehr lange Halbwertszeit zwischen 52 und 72 Stunden zur Folge habe.

Eine der häufigsten unerwünschten Wirkungen dieser Arzneien, der initiale Juckreiz, der bei zehn bis 20 Prozent der Patienten auftritt, lasse sich durch 500 mg ASS eine Stunde vor der Applikation der Salbe fast vollständig vermeiden, so Termeer. Substanzen wie Pimecrolimus und Tacrolimus werden nach Termeers Ansicht die Kortikoide nicht verdrängen.

Diese würden nach wie vor zur Initialbehandlung benötigt. Die Calcineurin-Antagonisten seien aber gut zur Prophylaxe und für die Erhaltungstherapie geeignet. Für ein erhöhtes Krebsrisiko gebe es keine Hinweise, so der Dermatologe.

Da Calcineurin-Hemmer die T-zelluläre Immunität spezifisch hemmen, sei eine Verwendung der Salben nicht nur bei der atopischen Dermatitis, sondern auch bei anderen entzündlichen Hauterkrankungen denkbar, so Termeer.

In klinischen Studien sei die Wirksamkeit der Mittel auch bei Vitiligo, dem Lichen ruber mucosae und dem Lichen sclerosus et atrophicans belegt.

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