Ärzte Zeitung, 11.10.2006

Bei stark ausgeprägter Psoriasis sind Biologicals die Mittel der Wahl

TNFα-Hemmer haben kaum Arzneimittel-Interaktionen und schädigen nicht die Leber

MÜNCHEN (sto). "Trotz ihrer Häufigkeit und Schwere gehört die Psoriasis zu den Erkrankungen mit der schlechtesten medizinischen Versorgung", so Professor Jörg Christoph Prinz aus München. Dabei haben sich die Therapie-Optionen seit Einführung der Biologicals für diese Indikation entscheidend verbessert.

Patient mit ausgeprägter Psoriasis. Verursacht die Krankheit so starke Symptome, ist meist eine systemische Therapie nötig. Foto: ÄZ

"Biologicals greifen an definierten Punkten in die Pathogenese der Psoriasis ein", sagte Prinz bei einer Veranstaltung von Wyeth Pharma in München. Als Vorteile der Biologicals nannte der Hautarzt von der Ludwig-Maximilians-Universität etwa das Fehlen von Arzneimittel-Interaktionen und toxischen Effekten auf Leber, Niere oder das hämatopoetische System. Auch eine Dauertherapie sei mit den Arzneien möglich.

Prinz wies darauf hin, daß einerseits mit einer konventionellen Psoriasis-Therapie oft nur unbefriedigende Behandlungserfolge erzielt werden. Denn viele Patienten kämen mit einer solchen Therapie nicht zurecht.

Andererseits würden Biologicals wie der lösliche TNFα-Rezeptor Etanercept (Enbrel®) nur bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis angewandt. Und das geschehe auch nur dann, wenn die konventionellen Therapien nicht ausreichend wirksam sind, nicht vertragen werden oder kontraindiziert sind.

Ein weiterer Vorteil für die Biologicals: Die Therapie könne ambulant erfolgen und zwar mit geringen Überwachungsaufwand, so Prinz. Für die Patienten, die unter den körperlichen und psychosozialen Auswirkungen der Psoriasis erheblich leiden, bessere die Therapie mit Biologicals die Lebensqualität deutlich.

Eine zusätzliche Belastung für Patienten vor allem mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis sei die Psoriasis-Arthritis. Etwa 40 Prozent der Psoriasis-Patienten haben nach Angaben von Prinz zusätzlich Gelenkbeschwerden. Die Psoriasis-Arthritis sei in der Vergangenheit unterbewertet gewesen, obwohl sie ohne Therapie Destruktionen der Gelenke und ausgeprägte Behinderungen zur Folge haben kann. Die Schuppenflechte hat noch weitere Konsequenzen: Mit zunehmender Schwere und Dauer gehe die Psoriasis häufig mit Störungen des Fettstoffwechsels, Diabetes und Hypertonie, aber auch mit Alkoholismus, Depression und Suizidalität einher.

Infos für Patienten, Angehörige und Interessierte beim Servicecenter Psoriasiswelt www.psoriasiswelt.de oder über die kostenlose Telefonnummer 0800 / 881 22 24 (Mo bis Fr 10 bis 17 Uhr)

STICHWORT

Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)

Die Psoriasis ist eine erbliche chronische Autoimmunerkrankung der Haut. Symptome sind psoriatische Plaques: scharf begrenzte, gerötete, erhabene Herde, die mit silbrig glänzenden Schuppen bedeckt sind. Ursache der Hauterscheinungen ist eine Entzündungsreaktion der Haut. Dadurch kommt es zu einem überschießenden Wachstum von Keratinozyten. Es kann sich auch die Finger- oder Zehennägel auswirken.

Die Entzündung greift häufig auch auf die Gelenke über: Etwa 5 bis 30 Prozent der Psoriasis-Patienten haben eine Psoriasis-Arthritis.

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