Ärzte Zeitung, 30.11.2006

HINTERGRUND

Liposuktion, Koffein und Laser - das sind einige aussichtsreiche Ansätze gegen Cellulite

Von Thomas Meißner

Nahezu jede Frau über 20 hat Zeichen einer Cellulite, sagen Münchner Dermatologen. Männer kennen dieses Problem dagegen kaum. Cellulite ist ein Problem, das per se keinen Krankheitswert hat, aber viele Frauen stört. Von den unzähligen Therapieansätzen erscheinen einige pathogenetisch sinnvoll, aber nur wenige sind gut untersucht.

Eine Cellulite stört viele Frauen, ist aber oft unvermeidbar. Therapien dagegen sind bisher kaum untersucht. Foto: Imago

Das liegt auch daran, daß über die Ursachen der Cellulite nur relativ wenig geforscht wird. Ziemlich klar scheint zu sein, daß es ein geschlechtsspezifisches Phänomen ist. Denn bei Männern finde man Cellulite allenfalls als Begleiterscheinung von Erkrankungen mit Androgen-Defizit, etwa bei Hypogonadismus oder beim Klinefelter-Syndrom, so Dr. Tatjana Pavicic und ihre Kollegen von der Universitätshautklinik in München (JDDG 4, 2006, 861).

"Fälschlicherweise denken viele Betroffene, daß die Cellulite-Erscheinungen durch eine Gewichtszunahme entstehen", schreiben die Münchner Dermatologen. Doch seien Gewichtszunahme, Streß, inaktive Lebensführung und hormonelle Kontrazeptiva lediglich verstärkende Faktoren.

Fettläppchen sind bei Frauen anders angeordnet

Offenbar ist es so, daß die Fettläppchen und die sie unterteilenden subkutanen Bindegewebssepten bei Frauen anders angeordnet sind als bei Männern. Und zwar am gesamten Körper, nicht nur an Po und Oberschenkeln, wo die Cellulite bevorzugt auftritt.

So hat man bei Männern kleine Fettgewebsläppchen gefunden, die durch dicke, eher parallel und schräg zur Hautoberfläche angeordnete und teilweise über Kreuz verlaufende Septen unterteilt sind. Bei Frauen finden sich dagegen große Fettgewebsläppchen mit dünnen, größtenteils senkrecht zur Hautoberfläche verlaufende Septen.

Zudem ist die Kutis-Subkutis-Grenzlamelle bei Frauen nur schwach ausgebildet, so daß sich das Fettgewebe leicht in die Dermis durchdrücken kann. Deshalb sind bei Übergewicht diese Herniationen des Fettgewebes verstärkt ausgeprägt: viel Fett - starker Druck. Es gibt auch Hypothesen, daß auch vaskuläre Veränderungen sowie Entzündungsprozesse die Entstehung einer Cellulite beeinflussen.

Es gibt nur wenig wissenschaftlich begründete Therapieoptionen. Viele Studien seien methodisch oft zweifelhaft oder beruhten lediglich auf der subjektiven Selbsteinschätzung der Frauen, betonen die Hautärzte. Zudem ist ein Therapieerfolg bei Cellulite nur schwer objektivierbar. Es gibt prinzipiel drei Maßnahmen gegen Cellulite:

  • Cellulite-verstärkende Faktoren wie Übergewicht und inaktive Lebensführung meiden,
  • physikalische Therapien,
  • Präparate, meist zum Eincremen.

Ob Diät oder Sport positive Effekte haben, ist letztlich unbewiesen. Denn Cellulite kommt auch bei fast allen schlanken Frauen vor. Massage-Techniken, etwa mit speziellen Maschinen, die die Haut zwischen Rollen einsaugen und durchkneten (Endermologie), zielen auf eine Durchblutungsverbesserung, Veränderung der subkutanen Fettgewebsstrukturen und einen besseren Lymphabfluß. Nur wenige Studien stützen die Wirksamkeit der Endermologie.

Die Fettabsaugung (Liposuktion) sei dem Prinzip nach sinnvoll, so die Münchner Ärzte, weil der Subkutanraum spezifisch verändert werde. Allerdings dürfe nicht oberflächlich, sondern müßten die tiefer gelegenen Fettdepots abgesaugt werden. Damit werde der Druck auf die Hautoberfläche vermindert. Die Wundheilung in den tieferen Fettschichten erzeuge eine straffenden Effekt.

    Viele Studien sind methodisch zweifelhaft.
   

Ziel der Subzision ist eine Schädigung der Bindegewebssepten. Nach Lokalanästhesie werden 16- oder 18-Gauge-Nadeln in die subkutane Fettschicht gestochen und parallel zur Hautoberfläche bewegt. Dadurch werden die Septen aufgebrochen, was das Matratzenphänomen beseitigen soll.

"Eine neue Ära in der Cellulite-Behandlung könnte sich mit Lasern auftun", berichten Pavicic und ihre Kollegen. Dabei wird Licht der Wellenlänge von 700 oder von 810 nm mehrmals wöchentlich appliziert, teilweise in Kombination mit einer Massage. Ziel ist es, die subkutanen Fettgewebsstrukturen so zu verändern, daß die äußere Haut wieder glatt aussieht.

Schließlich gibt es eine Fülle verschiedener Anti-Cellulite-Präparate, deren Inhaltsstoffe oft kaum charakterisiert sind. Pavicic zitiert eine Untersuchung von 32 Cellulite-Cremes, in denen 232 verschiedene Inhaltsstoffe nachgewiesen worden waren. Ein Viertel davon waren als Allergie-Auslöser bekannt, andere Wirkstoffe gelangen gar nicht erst in die Subkutis. Zwei Wirkstoffgruppen sind jedoch in klinischen Studien überprüft worden: Methylxanthine und Retinoide.

Hoffnung auf adipolytische Substanzen wie Koffein

Methylxanthine wie Koffein sollen über die Aktivierung bestimmter Enzyme zu einer lokalen Adipolyse führen, wodurch hypertrophe Fettzellen verkleinert werden. So konnten in einer Placebo-kontrollierten Studie mit zweiprozentigem in Liposomen verkapseltem Koffein klinisch bessere Ergebnisse erzielt werden als mit einprozentiger Creme oder mit der Placebo-Creme. Die Untersuchung war intraindividuell bei 49 Frauen mit leichter bis mäßiger Cellulite vorgenommen worden.

Von Retinol ist bekannt, daß es in der sonnengeschädigten Haut zur vermehrten Bildung kollagener Fasern führt. In normaler Haut fördert es die Synthese von Glykosaminoglykanen, die viel Wasser binden. Beides könnte zu einer Straffung der Lederhaut führen. In einigen, aber nicht allen Studien mit Retinol-haltigen Cremes konnten sowohl optische Verbesserungen als auch strukturelle Hautveränderungen nachgewiesen werden.

FAZIT

Cellulite bei Frauen ist die Regel, nicht die Ausnahme. Bei Männern ist es umgekehrt. Sport und ein normales Gewicht helfen möglicherweise, Cellulite etwas zu vermeiden. Auch Liposuktion und Subzision sind dem Prinzip nach sinnvoll. Harte Daten dazu gibt es jedoch kaum. Präparate mit Methylxanthinen wie Koffein haben offenbar eine gewisse Wirkung.

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