Ärzte Zeitung, 10.04.2007

Pilzartige Gebilde im Gesicht sind oft Hämangiome

Therapie der ersten Wahl ist Exzision / Bei 40 bis 50 Prozent der Patienten treten Rezidive auf

ESSEN (ner). Bei rasch wachsenden pilzartigen Gebilden im Gesicht oder an den Händen können die Patienten meist rasch beruhigt werden: Es dürfte sich um ein gutartiges Hämangiom handeln, ein Granuloma pyogenicum.

In der Universitätshautklinik Essen stellten besorgte Eltern ihren fünfjährigen Jungen vor. Er hatte seit etwa einer Woche einen rasch wachsenden, pilzartigen Tumor an der rechten Wange, berichtet Privatdozent Joachim Dissemond (MMW 10, 2007, 5). Bei dem Jungen war außerdem eine atopische Dermatitis mit juckenden Ekzemen bekannt, weshalb er sich unter anderem auch im Gesicht gekratzt hätte.

Nach Exzision des Tumors in Lokalanästhesie stellte Dissemond die Diagnose: Granuloma pyogenicum (Synonyme: G. pediculatum, G. teleangiectaticum, eruptives Angiom). Dabei handelt es sich um zunächst hellrote, rasch wachsende Knötchen, die von den Kapillaren ausgehen. Später wird das Knötchen zu einem gestielt-kugelförmigen Granulom, bestehend aus Kapillarknäueln mit leukozytär-granulomatösen Infiltraten. Dies erklärt die starke Blutungsneigung. Die Gebilde können ein bis drei Zentimeter groß werden.

Außer Kindern seien Schwangere gehäuft betroffen, berichtet Dissemond. Oft nach Bagatellverletzungen treten die schmerzlosen Gefäßtumoren vor allem an Lippen, auf der Zunge, im Gesicht, an Fingerkuppen und Zehen auf. Dissemond empfiehlt mindestens eine Probebiopsie, um bösartige Erkrankungen, besonders Angiosarkome oder amelanotische maligne Melanome, auszuschließen.

Therapie der ersten Wahl ist die vollständige Exzision mit primärem Wundverschluss, da Spontanregressionen selten sind. Aber die chirurgische Therapie ist oft frustran: 40 bis 50 Prozent bekommen Rezidive.

Infos und Bilder gibt es auch im Internet unter: www.dermis.net (Stichwort: Granuloma teleangiectaticum)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »