Ärzte Zeitung, 28.06.2007

Leitlinie zu Krätze mit Tipps für die Therapie

Um Rezidive zu vermeiden, müssen die Patienten für die lokale Behandlung einige Anweisungen bekommen

DRESDEN (ars). In Deutschland ist erstmals eine Leitlinie zu Krätze (Skabies) erschienen. Der erhoffte Nutzen: Die Kollegen bekommen mehr Sicherheit in der Behandlung, und die Patienten erkranken seltener an Rezidiven durch Fehler bei den Therapiemaßnahmen.

Bullöse Skabies bei einem Kleinkind. Die Symptome der Krätze sind individuell recht unterschiedlich, was die Diagnose erschwert. Fotos (2): InfectoPharm

Erstes Symptom sind die Komma-artigen Milbengänge, bevorzugt an warmen Stellen mit dünner Hornschicht: zwischen Fingern und Zehen, in Achseln oder Leisten, so Professor Henning Hamm, der das Papier zusammen mit Professor Cord Sunderkötter im Auftrag der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft verfasst hat. Gut zwei Wochen nach der Infektion kommt es durch Immunreaktionen gegen Milbeneier oder Kot zu Ekzemen mit Bläschen sowie Juckreiz, der sich besonders in der Bettwärme verstärkt.

Der Hautausschlag sei so unspezifisch, dass viele Differenzialdiagnosen in Betracht kämen, erläuterte Hamm beim Dermatologie-Kongress in Dresden. Auch sind die Symptome individuell unterschiedlich, vor allem durch Kratzen, Verkrustung, Impetigo oder bakterielle Infektionen. Zudem hat ein Patient nur etwa zehn eingegrabene Milben, weshalb schon Glück dazu gehört, eine zu finden, sagte Hamm auf einer Veranstaltung des Unternehmens InfectoPharm.

Eine Milbe in ihrem Gang mit Eiern und Kot. Durch Immunreaktionen gegen die Produkte der Spinnentiere kommt es zu Hautausschlägen und Juckreiz.

Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis der Spinnentiere, deren Eier oder Kot. Für die Mikroskopie muss ein Milbengang eröffnet und der Inhalt entnommen werden. Nichtinvasiv geht es mit dem Auflichtmikroskop, berichtete Professor Sunderkötter aus Münster: Dabei sucht man nach einem bräunlichen Dreieck, dem Vorderleib der Milbe, und lufthaltigen Gängen.

Als Medikament der ersten Wahl empfiehlt die Leitlinie 5-prozentige Permethrin-Creme (InfectoScab®). Das Pyrethroid ist geringer toxisch und wird schwächer resorbiert als Lindan, das Ende 2007 in der EU verboten wird. In einer Studie rieben sich 106 Erwachsene und Kinder mit Permethrin-Creme ein. Nach 14 Tagen wurde ein Viertel erneut behandelt, weil eine Besserung fraglich war. Nach vier Wochen waren 95 Prozent geheilt, der Juckreiz hatte nachgelassen. Mittel der zweiten Wahl sind Benzylbenzoat und Crotamiton. Für die Therapie mit Permethrin gilt:

  • Der Wirkstoff eignet sich für Erwachsene und Kinder. In den ersten Lebensmonaten ist jedoch strenge ärztliche Aufsicht erforderlich. Die Leitlinie empfiehlt den Wirkstoff auch für Schwangere, obwohl er für sie noch nicht zugelassen ist.
  • Vor dem Eincremen sollten sich die Patienten die Nägel schneiden, baden oder duschen. Ältere Kinder und Erwachsene cremen den gesamten Körper lückenlos vom Unterkiefer abwärts ein. Helfer sollten Handschuhe benutzen, bei Borkenkrätze zusätzlich einen Schutzkittel.
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern bis drei Jahre, bei Patienten über 60 Jahre, mit Immunsuppression oder Borkenkrätze wird auch der Kopf samt Kopfhaut eingerieben. Ausgespart bleiben lediglich Mund- und Augenregion.
  • Die Patienten tragen während der Einwirkzeit möglichst Baumwollhandschuhe. Waschen sie sich die Hände, müssen sie diese unbedingt neu eincremen. Das Mittel bleibt acht bis zwölf Stunden auf der Haut, am besten über Nacht, und wird am Morgen abgeduscht. Danach sollten die Patienten ihre Wäsche wechseln und die Betten frisch beziehen. Kinder können am selben Tag wieder in Kindergarten oder Schule, Erwachsene zur Arbeit gehen.
  • Textilien, Blutdruckmanschetten, Schuhe oder Kuscheltiere sollte man bei 60°C waschen oder vier Tage trocken und warm in Plastiksäcken lagern. Polster und Teppiche werden mit dem Staubsauger gereinigt oder mindestens vier Tage nicht benutzt.
  • Alle Mitglieder einer Familie müssen ebenfalls behandelt werden, ob sie Hautausschläge haben oder nicht. Bei Borkenkrätze gilt das auch für jene Menschen, die nur kurzen Kontakt mit dem Patienten hatten.
  • Nach zwei Wochen sollten sich die Hautbefunde gebessert haben und keine neuen Milbengänge hinzugekommen sein. Andernfalls muss die Behandlung wiederholt werden. Der Juckreiz geht allerdings erst innerhalb von vier Wochen zurück, die Ekzeme bleiben noch länger.

Ein Merkblatt mit Therapiehinweisen gibt es unter Tel. 0800/113 64 64, die Leitlinie zu Krätze unter www.derma.de

STICHWORT

Krätze

Die Prävalenz der Krätze beträgt in Deutschland ungefähr 1 Prozent. Bei schlechten hygienischen Verhältnissen, etwa unter Obdachlosen, kann sie aber bis 30 Prozent steigen. Auch in Heimen und Krankenhäusern kommt es gelegentlich zu Endemien, vor allem mit der hochansteckenden Borkenkrätze. Zu dieser Form kommt es bei Menschen mit Immunsuppression: Bei ihnen vermehren sich die Milben so ungehemmt, dass mehrere Millionen die Haut besiedeln und sich durch abgelöste Schüppchen tausendfach verbreiten. Ohne Wirt leben die Milben maximal noch vier Tage. Übertragen werden sie von Mensch zu Mensch durch Hautkontakt von mindestens 15 Minuten.

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