Ärzte Zeitung, 05.05.2008

HINTERGRUND

Bei Aktionen zur Hautkrebs-Früherkennung sind der Phantasie wenig Grenzen gesetzt

Von Philipp Grätzel von Grätz

 Bei Aktionen zur Hautkrebs-Früherkennung sind der Phantasie wenig Grenzen gesetzt

Superfiziell spreitendes Melanom der Haut. Es ist die häufigste Variante des Melanoms und kommt meist bei Erwachsenen vor.

Foto: Klaro

Bei Hautärzten in vielen europäischen Ländern steht der heutige Tag ganz im Zeichen der Hautkrebs-Früherkennung. Denn die Europäische Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) veranstaltet heute den Euro Melanoma Tag 2008, an dem sich auch in Deutschland viele hundert Hautarztpraxen beteiligen.

Der erste Euro Melanoma Tag fand im Jahr 1998 in Belgien statt. Damals hatte der belgische Hautarzt Dr. Thomas Maselis aus Tienen diese Initiative ins Leben gerufen, nachdem seine Frau an einer Krebserkrankung gestorben war. Das Vorbild war für Maselis der "Melanoma Monday" in den USA, der dort schon seit 1985 Tradition ist.

"Mit ihrer Beteiligung am Euro Melanoma Tag reihen sich die deutschen Hautärzte in diesem Jahr zum ersten Mal in die gesamteuropäische EADV-Initiative ein", sagte der Vizepräsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD), Dr. Klaus Strömer, bei einer Veranstaltung in Berlin. Neuland für die deutschen Dermatologen sind solche Kampagnen freilich nicht: Schon seit den 80er Jahren organisieren niedergelassene Hautärzte vielerorts Initiativen zur Hautkrebs-Früherkennung mit Krankenkassen, Landesregierungen und anderen Partnern. Auch einen nationalen Hauttag gab es bereits einmal - das war im Jahr 2006.

Dermatologe veranstaltet "Lange Nacht der Hautvorsorge"

Aus Anlass des Euro Melanoma Tag 2008 hängen in vielen Hautarztpraxen schon seit Wochen Plakate, die auf das heutige Ereignis hinweisen. Im Internet haben die Dermatologen unter www.hauttag.de eine eigene Webseite eingerichtet, die über den Hautkrebs informiert und Ärzte auflistet, die sich mit ihrer Praxis am Euro Melanoma Tag beteiligen. Dabei geht es an diesem Tag vor allem darum, möglichst viele Menschen zu einer Hautkrebs-Früherkennung zu ermuntern.

Der Phantasie der teilnehmenden Ärzte sind dabei wenig Grenzen gesetzt. Der niedergelassene Hautarzt Dr. Andreas Degen aus Oberkirch etwa hat eine "Lange Nacht der Hautvorsorge" ins Leben gerufen: Ab 17 Uhr werden bis tief in die Nacht ausschließlich Termine zur Hautkrebs-Prävention vergeben. "Ich möchte die Aktion nutzen, um die Leute auf die moderne Technik zur Hautkrebs-Prävention aufmerksam zu machen", betont Degen.

In seiner Praxis bietet er neben der Dermatoskopie, mit der die Muttermale stark vergrößert werden können, auch ein Verfahren namens Photofinder an. Hier wird per Videokamera eine genaue Übersicht über die Muttermale angefertigt, sodass Veränderungen bei späteren Untersuchungen leichter erkannt werden können. "Weil ich maximal zehn Untersuchungen an einem Abend schaffe, habe ich mich entschlossen, die Aktion in der gesamten Woche bis zum 9. Mai durchzuführen", so Degen.

Viele Praxen bieten zum Aktionstag die Untersuchung kostenlos an.

Insgesamt listet die Webseite zum Euro Melanoma Tag mehrere hundert Ärzte auf, die sich an der Aktion beteiligen. "In vielen Praxen können sich die Bürger unentgeltlich einer Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung unterziehen, aber das ist keine Voraussetzung für die Teilnahme", betonte BVDD-Präsident Dr. Michael Reusch. In jedem Fall wird nicht nur diagnostiziert, sondern auch informiert: Eine Sonnenanamnese und Ratschläge zum Thema Sonnenschutz gehören zur Hautkrebs-Früherkennung unabdingbar dazu.

Die gemeinsame europäische Klammer ist dabei ein einheitlicher Dokumentationsbogen, auf dem der Patient Angaben zur Anamnese macht und der Arzt den Hautbefund dokumentiert. Diese Bögen werden von der EADV europaweit ausgewertet, um dadurch neue Erkenntnisse zur Häufigkeit auffälliger Hautveränderungen zu erhalten.

Die Patienten erfahren auch, wie sie potenziell maligne Muttermale von gutartigen Leberflecken unterscheiden können. "Am besten lässt sich das mit der ABCDE-Regel vermitteln", sagte Professor Peter Elsner von der Universitätsklinik Jena. Dermatologisch abgeklärt werden sollte eine Hautveränderung, wenn sie asymmetrisch ist (A), wenn die Begrenzung (B) unregelmäßig ist, wenn die Farbe (Color, "C") ungleichmäßig erscheint, wenn der Durchmesser (D) größer ist als ein halber Zentimeter oder wenn das Muttermal erhaben (E) ist, also über die Hautoberfläche hinausragt. Hat eine Hautveränderung eine oder gar mehrere dieser Eigenschaften, dann sollte ein Hautarzt hinzugezogen werden, vor allem dann, wenn die Veränderung neu ist.

Ab Juli geht das Screening zu Lasten der Kassen

"Die ABCDE-Regel ist auch das, was wir jenen niedergelassenen Hausärzten vermitteln, die ab Juli am Hautkrebs-Screeningprogramm der Gesetzlichen Krankenversicherung teilnehmen wollen", betonte Reusch. Denn ab Juli 2008 können GKV-Versicherte ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre zu Lasten ihrer Krankenkasse ein Hautkrebs-Screening in Anspruch nehmen.

Das Screening ist zweistufig. Die erste Stufe, die Haut-Untersuchung ohne weitere Hilfsmittel inklusive Aufklärung über Risikofaktoren und Sonnenschutz, kann sowohl von Hausärzten als auch von Dermatologen angeboten werden. Erst in der zweiten Runde, wenn also ein verdächtiger Befund vorliegt, ist der Besuch eines Dermatologen Pflicht. Reusch setzt große Hoffnungen in das Angebot: "Wir hoffen natürlich, dass wir große Teile der Bevölkerung mit diesem Programm erreichen. "

Infos zu Hautkrebs und zum Euro Melanoma Tag unter www.hauttag.de

STICHWORT

Hautkrebs in Deutschland

In Deutschland wird das Melanom pro Jahr bei ungefähr 15 000 Menschen neu diagnostiziert. Etwa jeder Fünfte von ihnen stirbt an den Folgen der Erkrankung. Am häufigsten sind vom Melanom Menschen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr betroffen. Frauen sind etwas stärker gefährdet als Männer. Nach Angaben von Professor Rudolf Stadler von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft kann durch eine frühe Diagnose die Sterberate beim Melanom stark reduziert werden: ist der Tumor nicht mehr als einen Millimeter dick, liegt die Heilungschance bei über 90 Prozent. Weniger gefährlich als das Melanom, aber dafür sieben Mal häufiger, sind Stachelzell- und Basalzellkarzinome (heller Hautkrebs). Deren Inzidenz wird in Deutschland auf etwa 100 000 Neuerkrankungen pro Jahr geschätzt. Dazu kommen Krebsvorstufen, die bei 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung über 45 Jahren auftreten. (gvg)

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