Ärzte Zeitung online, 04.09.2008

Immer mehr Männer lassen "verschlafenen Blick" behandeln

HAMBURG (dpa). Immer mehr Männer lassen ihre erschlafften Augenlider und Tränensäcke korrigieren. Die Zahl dieser Eingriffe hat sich nach Angaben der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland (GÄCD) innerhalb eines Jahres fast verdoppelt: von 2435 im Jahr 2006 auf 4638 in 2007.

Grund sei der Wunsch der Männer nach jugendlichem und gesundem Aussehen, teilte die Fachgesellschaft mit. Denn sinkende Augenlider, die oft mit Einschränkungen des Gesichtsfeldes verbunden seien, und einen verschlafenen Blick nehmen Männer nicht mehr als natürlichen Alterungsprozess hin - im Gegensatz zu Falten und grauen Haaren. Frauen ließen sich 2007 etwa 8800 Mal an den Augenlidern behandeln, ergab eine Befragung bei 450 GÄCD-Mitgliedern.

Insgesamt sehen die Ästhetischen Chirurgen in Deutschland aber keinen Trend zu mehr Schönheitsoperationen. "Wir beobachten eine Stagnation. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Eingriffzahlen bei Frauen und Männern nicht wesentlich verändert", sagte GÄCD- Generalsekretär Matthias Gensior. Demnach führten die Mitglieder 2007 etwa 130 000 Schönheitsoperationen aus und leisteten weitere 105 000 Faltenbehandlungen. An erster Stelle standen Lasereingriffe im Gesicht: knapp 34 000 Mal bei Frauen und mehr als 18 000 Mal bei Männern.

Die Statistik der GÄCD umfasst nach Gensiors Einschätzung etwa die Hälfte aller Schönheitsoperationen in Deutschland. Die Gesellschaft nehme nur Fachärzte auf, die strenge Voraussetzungen erfüllen. Die Mitglieder kritisieren daher auch Trends zur Verharmlosung von Operationen und ästhetischen Maßnahmen. Dazu gehörten auch Zahnärzte, die Faltenunterspritzungen im Gesicht anbieten. "Wir befürchten einen massiven Imageschaden im gesamten Umfeld der sogenannten Schönheitschirurgie", sagte der GÄCD-Präsident, Professor Heinz Bull.

So sei es selbstverständlich, dass keine ästhetischen Operationen an Minderjährigen vorgenommen werden. Einzige Ausnahme seien Korrekturen der Ohrmuscheln. Bull wies aus der Politik kommende Zahlen zurück, nach denen sich jedes Jahr mehr als 100 000 Jugendliche operieren lassen. Solche Aussagen seien "ohne Sinn und Verstand". Gleichwohl räumte Bull ein, dass es unseriös arbeitende Ärzte auf dem Gebiet der Schönheitschirurgie gebe. "Wir haben uns von einer ganzen Reihe von Mitgliedern getrennt." Das sei ein wichtiger Reinigungsprozess gewesen. Die Mitglieder der GÄCD treffen sich vom 23. bis zum 25. Oktober zu ihrer 21. Jahrestagung in Hamburg.

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