Ärzte Zeitung, 25.05.2009

Foto: Oleg Kozlov ©www.fotolia.de

Schmuseratten zunehmend Quelle von Vaccinia-Infekten

Kuhpocken können bei Menschen schwere Augeninfekte und Pneumonie auslösen

KREFELD (nsi). Seit nicht mehr mit Kuhpockenviren (Vaccinia) gegen Pocken (Variola) geimpft wird, häufen sich Infekte mit Kuhpockenerregern bei Menschen. So wurden in den vergangenen Monaten 21 Erkrankungen registriert. Überträger waren meist "Schmuseratten".

Das Problem: Kaum ein Arzt kennt mehr das Krankheitsbild einer Infektion mit Kuhpocken, schließlich kam die Krankheit durch die Pockenimpfung praktisch nicht mehr vor. Seit 1980 gibt es aber keine Pflicht zur Pockenimpfung mehr in Deutschland - nun werden zunehmend wieder Infektionen mit Vaccinia-Viren beobachtet. "Auch wenn die meisten humanen Infektionen mit Kuhpockenviren selbstlimitierend verlaufen - im Einzelfall können schwer wiegende Komplikationen auftreten", berichtet Dr. Christian Becker vom Helios Klinikum in Krefeld.

Kuhpockenläsion im Frühstadium, beginnend ulzerierend, auf der Schulter. Fotos (2): Dr. Hessler, Helios Klinikum Krefeld

Becker hat gemeinsam mit Dermatologen, dem Robert-Koch-Institut und Veterinärmedizinern Kasuistiken der jüngsten Vergangenheit aufgearbeitet (Deutsches Ärzteblatt 19, 2009, 329). Ihr Fazit: "Die richtige Diagnose wird oft erst verzögert und nach diagnostischen und therapeutischen Umwegen gestellt", so Becker. Dazu gehören erfolglose Therapieversuche mit Antibiotika, in einem Fall auch eine wundchirurgische Intervention. Gefährdet für Komplikationen sind vor allem sehr kleine Kinder und immunsupprimierte Patienten. Vereinzelt kann es zu schweren Infektionen des Auges oder einer Pneumonie kommen.

Die Behandlung erfolgt lokal durch Abdeckung mit einem Wundverband, um Schmierinfektionen zu vermeiden. Auf sekundäre bakterielle Infektionen sei zu achten, so die Autoren. "Bei schlecht heilenden Wunden der beschriebenen Morphologie sollte unbedingt nach Tierkontakten gefragt werden", rät Becker.

In Deutschland sind in den vergangenen Monaten 21 Fälle bestätigt worden. Bei allen Patienten hatte enger Kontakt mit Ratten bestanden, die als Haustiere gehalten werden. Da solche Tiere immer beliebter werden, ist mit weiteren Fällen zu rechnen. Auch Katzen können Überträger von Kuhpockenviren sein. Infektionen des Menschen mit Kuhpockenviren sind nach dem Infektionsschutzgesetz nicht meldepflichtig.

Ulzerierte Kuhpockenläsion auf der Stirn mit schwarzer Kruste und mit entzündlichem Randwall.

Kuhpocken

Typisch für eine Kuhpockeninfektion sind Fieber, Gliederschmerzen, Lymphknotenschwellungen und Hautveränderungen wie scharf begrenzte erhabene, ödematös geschwollene Papeln mit zentraler Eindellung, die im weiteren Verlauf hämorrhagisch ulzerieren. Sie bilden dann eine dunkle Kruste und heilen nach mehreren Wochen narbig ab. (nsi)

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