Ärzte Zeitung, 27.07.2009

Stillprobleme nach Brustwarzen-Piercing

Fallberichte über reduzierte Milchabgabe / Brustwandabszesse sind eine weitere Komplikation

NEU-ISENBURG(ikr). Ähnlich wie bei Tattoos ist auch beim Piercing mit vielfältigen Komplikationen zu rechnen. Brustwarzen-Piercing kann außer zu Brustwandabszessen aktuellen Daten zufolge auch zu Stillproblemen führen.

Stillprobleme nach Brustwarzen-Piercing

Brustwarzen-Piercing: Durch Vernarbung können sich Milchgänge verstopfen.

Foto: PD Volker R. Jacobs

Australische Forscher berichten über drei Frauen, die nach Brustwarzen-Piercing Schwierigkeiten mit dem Stillen hatten (JAMA 301, 2009, 2550). Die durch das Piercing entstandenen Hautläsionen waren zwar vollständig verheilt, es gab jedoch eine andere Komplikation: Die Milchabgabe war stark reduziert, und zwar wahrscheinlich infolge von Obstruktionen der Milchgänge.

Privatdozent Volker R. Jacobs von der Frauenklinik der TU München erscheint eine solche Erklärung plausibel: Aufgrund von Gewebeläsionen, die durch das Piercing entstehen, kommt es zur Vernarbung. Hierbei können einige der Milchgänge verschlossen werden, sodass die betroffene Brust weniger Milch abgibt. Und dadurch kann es nach Angaben des Gynäkologen dann auch zum Milchstau und zur Mastitis kommen.

Das ist aber längst nicht alles. "Immer wieder treten nach Brustwarzen-Piercing auch Brustwandabszesse auf", sagte Jacobs zur "Ärzte Zeitung". Aufgrund einer langen Wundheilungszeit bei dieser Form des Piercings bestehe für längere Zeit ein erhöhtes Infektionsrisiko. Genaue Zahlen über Häufigkeit und Komplikationen nach Brustwarzen-Piercing lägen bisher nicht vor, da es sich in Deutschland um ein Gewerbe handele und keine Dokumentationspflicht, wie in der Medizin bestehe.

Der Münchener Experte hat drei eigene Krankheitsgeschichten mit Brustabszess nach Brustwarzen-Piercing publiziert (Zentralbl Gynäkol 124, 2002, 378). Bisher seien weltweit zwar nur wenige Fälle dieser Art veröffentlicht worden, aber es spreche inzwischen Vieles dafür, dass sie bislang nur unzureichend dokumentiert worden seien, so Jacobs. Bei den publizierten Fällen seien meist zum Piercing Ringe verwendet worden.

Piercingringe mit zu kleinem Durchmesser im Verhältnis zur Brustwarze verursachen durch ihre größere Krümmung einen stärkeren mechanischen Reiz und bergen somit ein höheres Entzündungsrisiko. Vom Keimspektrum her wurden bei den publizierten Abszessfällen außer den erwarteten Keimen wie Staphylokokken und Streptokokken auch Mykobakterien nachgewiesen.

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