Ärzte Zeitung online, 14.05.2010

WDR feuert TV-Autor über "Wundersalbe"

KÖLN (dpa). Es war ein großer Aufreger im Herbst 2009: Angeblich verhinderten Pharmafirmen den Verkauf einer Salbe, die Wunder gegen Neurodermitis hilft. Jetzt hat der WDR dem Autor gekündigt - wegen falscher Aussagen und wegen Verstoßes gegen Programmgrundsätze.

Ein Film über Pharmakonzerne, die angeblich aus reinem Finanzkalkül eine wirkungsvolle Salbe gegen Hautkrankheiten verhindern wollten, sorgte bundesweit für Wirbel. Nun hat sich der Westdeutsche Rundfunk wegen falscher Aussagen und wegen Verstoßes gegen WDR-Programmgrundsätze von dem einst hochgelobten Autor des Beitrags getrennt.

Das Feature "Heilung unerwünscht: Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern", das im Oktober 2009 in der ARD lief, hatte heftige Debatten ausgelöst. Es war damals viel Hoffnung mit Blick auf die beschriebene Salbe Regividerm geweckt worden. Der WDR begründete seinen Schritt nun mit "inhaltlicher Kritik an dem Film" und Zweifeln an der Unabhängigkeit des Autors. Er habe kurz nach der TV-Ausstrahlung ein Buch zu demselben Thema veröffentlicht.

Die beschriebene Creme soll angeblich auf einfacher Avocado-Vitamin-Basis gegen die Volkskrankheiten Neurodermitis und Schuppenflechte helfen und dem Film zufolge der Pharmaindustrie ein Dorn im Auge sein. Die Konzerne hätten versucht, eine Markteinführung zu verhindern, da die Salbe eigene teurere Präparate gefährden würde, behauptete der WDR-Redakteur.

Ein Mediziner und ein Chemiker hatten die Rezeptur schon vor gut 20 Jahren gefunden, aber laut Film wollte kein Unternehmen die Creme produzieren. Ein kleiner Hersteller - die Firma Regeneratio aus Remscheid bei Düsseldorf - hatte schließlich im November 2009 die Genehmigung als rezeptfreies Medizinprodukt erhalten.

Der WDR erklärte, der Autor aus dem Programmbereich Politik und Zeitgeschehen sei mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt, zudem habe der Sender arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet. Gegen das Feature war formelle Programmbeschwerde erhoben worden, es war Thema im WDR-Rundfunkrat und beschäftigte auch die interne Revision. Der Mitarbeiter habe Vorgesetzte wiederholt über den Zusammenhang von Sendedatum und Buchveröffentlichung getäuscht und in einer dienstlichen Erklärung falsche Angaben gemacht, sagte Intendantin Monika Piel.

Lesen Sie dazu auch:
Hintergrund: Magere Daten zur Creme aus Vitamin B12 und Avocadoöl
TV-Kritik: Geld zählte mehr als Verantwortung

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »