Ärzte Zeitung, 08.02.2011

Rasch wachsende Knoten waren harmlos

Rasch wachsende symptomlose Schwellungen an den Zehen bei einem Kind: Das kann auf einen Reye-Tumor hinweisen. Meist verschwinden die Knoten spontan innerhalb weniger Jahre.

Von Thomas Meißner

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Die "kissing lesions" an gegenüberliegenden Stellen sind typisch für Reye-Tumoren.

© (3) Dr. Corinna Hamsch, Heideberg

HEIDELBERG. Manche Hauterkrankungen sind lästig, aber man lässt sie lieber in Ruhe. An der Universitätshautklinik in Heidelberg stellten Eltern ihre sechsjährige Tochter vor, an deren dritter, vierter und fünfter Zehe links seit etwa fünf Wochen derbe, prall-elastische, jedoch symptomlose Schwellungen bestanden. Sie waren innerhalb von zwei Wochen rasch gewachsen, seitdem aber größenkonstant.

Bei der klinischen Untersuchung waren die vier Knoten hautfarben bis hellrot und nicht überwärmt. Sonografisch gaben sie ein echoarmes Signal, Verkalkungen, Anzeichen für eine Entzündung oder beteiligte knöcherne Strukturen bestanden nicht, berichten Dr. Corinna Hamsch aus Heidelberg und ihre Kollegen (Hautarzt 2010, 61: 888). Auch die Röntgenuntersuchung ergab keine weiteren Hinweise.

Es handelte sich um einen Reye-Tumor (digitale infantile Fibromatose), gutartige Geschwülste aus der Gruppe der Fibromatosen. Sie können bereits bei der Geburt bestehen, meist treten sie innerhalb der ersten drei Lebensjahre an Fingern oder Zehen auf.

Die Ätiologie ist unklar, der Verdacht auf eine virale Genese wurde mit elektronenmikroskopischen Untersuchungen widerlegt (Cohen: Pädiatrische Dermatologie, Urban & Fischer 2007).

Charakteristisch seien die "kissing lesions" an gegenüberliegenden Stellen, so Hamsch. Dies könne bei den betroffenen Patienten zu Deformitäten und funktionellen Einschränkungen führen. Nach einem zunächst langsamen Wachstum folge danach eine Phase schnellen Wachstums über zwölf bis 14 Monate.

Histologisch kann unter anderen die infantile Myofibromatose unterschieden werden. Diese kann jedoch auch an Muskeln, Knochen und viszeralen Organen vorkommen und unter Umständen Organfehlfunktionen auslösen.

Werden Reye-Tumoren chirurgisch entfernt, kommt es bei 50 bis 75 Prozent der Patienten zu Rezidiven. Meist verschwinden die Knoten spontan innerhalb weniger Jahre.

Deshalb sowie aufgrund des Alters des Kindes und des typischen klinischen Bildes verzichteten die Heidelberger Dermatologen sowohl auf eine Biopsie als auch auf eine Operation. Diese sei allenfalls bei deutlichem Größenwachstum mit Bewegungseinschränkungen gerechtfertigt.

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