Ärzte Zeitung online, 27.04.2011

Neue Methode verkleinert Riesenmuttermale bei Kindern

TÜBINGEN (eb). An der Tübinger Universitäts-Hautklinik ist ein neuartiges chirurgisches Therapieverfahren für Kinder mit Riesenmuttermalen entwickelt worden. Solche Riesennävi können ganze Körperteile oder das Gesicht bedecken. Etwa eines von 100.000 Kindern wird damit geboren.

Neues Operationsverfahren verkleinert Riesenmuttermale bei Kindern

Riesenmuttermale bei einem Säugling: Tübinger Ärzte haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem die Nävi entfernt werden können.

© Universitätsklinikum Tübingen

Riesennävi sind angeborene Fehlbildungen der Haut, die spontan entstehen und nicht genetisch bedingt sind.

Die ausgedehnten dunklen, teilweise behaarten Hautverfärbungen sind vor der Geburt nicht erkennbar und für Eltern erst einmal ein Schock und eine große psychische Belastung.

Dazu kommt, dass nicht nur die Pigmentzellen der Haut, sondern auch Nervenzellen, etwa im Gehirn oder in der Wirbelsäule, betroffen sein können. Bei allen diesen Zellen besteht langfristig die Gefahr, dass dort ein Tumor entsteht.

Darüber hinaus wachsen die großen, dunklen Hautflächen der Neugeborenen mit und können bei größeren Kindern weite Bereiche des Körpers oder des Gesichts bedecken.

Bisher wurden verschiedene Behandlungsformen kombiniert. Zum einen kann die Haut abgeschliffen werden, zum anderen sind auch Hauttransplantationen möglich.

In Frage kommt auch die - langwierigere - Alternative einer Aufdehnung durch eine unter die Haut verbrachte "Blase", die über Wochen langsam vergrößert wird und dabei zu einer Hautdehnung führt.

Die gedehnte Haut kann im Anschluss über dem entfernten Hautareal zusammengenäht oder an anderer Stelle eingefügt werden. Meist wurde für die Behandlungen die Pubertät abgewartet.

Internationale Fachtagung zu Riesennävi am 6. Mai

Vom 6. bis 7. Mai wird am Uniklinikum Tübingen die weltweit erste internationale Fachtagung zu Riesennävi stattfinden. 24 Experten aus Europa und USA werden dazu in Tübingen erwartet. Organisiert wird dieses Treffen von der Tübinger Universitäts-Hautklinik zusammen mit Privatdozent Sven Krengel und dem Selbsthilfe-Nävus-Netzwerk. Das Netzwerk steht in enger Verbindung zu andern Netzwerken in Europa und den USA, an denen Ärzte und Eltern beteiligt sind. Zu der Expertentagung sind auch die Eltern betroffener Kinder eingeladen und werden in engem Kontakt zu den Experten ihre eigenen Erfahrungen austauschen.

An der Tübinger Universitäts-Hautklinik wurde in den letzten vier Jahren ein neuartiges chirurgisches Behandlungsverfahren entwickelt, um die Haut-Anomalien zu entfernen oder zumindest zu verkleinern. Dazu musste ein jahrzehntealtes medizinisches Dogma überwunden werden, das besagt, dass Haut nicht unter Spannung genäht werden darf, da sie sonst reißen würde oder wegen schlechter Durchblutung abstirbt.

Bei der neuen Naht- und Dehntechnik setzt man auf eine möglichst frühzeitige Entfernung, wie Professor Helmut Breuninger in einer Pressemitteilung der Klinik berichtet. Operiert wird ab einem Alter von 6 Monaten. Die Haut ist nämlich bei kleinen Kindern noch sehr weich und dehnbar und heilt danach sehr gut zusammen.

Bei der von Tübinger Hautchirurgen um Breuninger entwickelten Technik werden die dunklen Hautanteile herausgeschnitten. Anschließend wird die umgebende Haut während der Operation gelockert und gedehnt und unter Spannung über den hautlosen Teil gezogen und vernäht. Die Durchblutung der so gedehnten Hautanteile normalisiert sich innerhalb von Stunden.

Die Nachteile des Abschleifens oder der Hauttransplantationen (nicht genügend eigener Hautersatz vorhanden) können damit in vielen Fällen umgangen werden. Bei komplizierten Lagen der Riesenmuttermale werden auch die verschiedenen Verfahren kombiniert. Oft sind mehrfache Eingriffe nötig.

Für die Operation der Säuglinge ist viel Erfahrung nötig. Die Universitäts-Hautklinik arbeitet dazu eng mit den Kinderanästhesiologen Uniklinik zusammen. Darüber hinaus haben Kinder ein sehr kleines Blutvolumen von wenigen hundert Millilitern und dürfen bei der Operation nur wenig Blut verlieren. Sehr wichtig bei der Behandlung ist auch der enge Kontakt zu den betroffenen Familien.

www.naevus-netzwerk.de

Topics
Schlagworte
Haut-Krankheiten (1971)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »