Ärzte Zeitung online, 28.12.2011

Neurodermitis: Neue Risiko-Gene entdeckt

Eine internationale Forschergruppe hat in der bisher größten genetischen Studie zu Neurodermitis drei Gene identifiziert, die entscheidend zum Entstehen dieser chronischen Hauterkrankung beitragen.

Neurodermitis: Neue Risiko-Gene entdeckt

Neurodermitis: Forscher haben weitere Risikogene entdeckt.

© Gina Sanders / fotolia.com

NEUHERBERG (eb). Wissenschaftler des EAGLE*-Konsortiums haben drei neuen Gene identifiziert, die das Risiko für Neurodermitis offenbar deutlich erhöhen, wenn sie verändert sind.

Zwei der Gene tragen dazu bei, die natürliche Hautbarriere aufrecht zu erhalten. Das dritte Gen hat Auswirkungen auf die Immunregulation und beeinflusst auch die Entstehung von Asthma und Allergien.

Im Rahmen der bisher weltweit umfassendsten Genom-weiten Studie wurden mehr als 10.000 Neurodermitis-Patienten sowie 40.000 Gesunde in der Vergleichsgruppe genetisch untersucht (Nature Genetics 2011; online 25. Dezember).

"Unsere Ergebnisse ermöglichen es, die genetischen Ursachen von Neurodermitis besser zu verstehen. Damit können wir nicht nur Tests für genauere Risikoabschätzungen entwickeln, sondern auch neue Präventions- und Behandlungsansätze ableiten”, wird Dr. Joachim Heinrich in einer Mitteilung des Helmholtz-Zentrums zitiert.

Heinrich ist Initiator des multizentrischen Forschungsprojekts und kommissarischer Leiter des Instituts für Epidemiologie I an dem Zentrum in München.

Gen-Daten von Patienten aus zwölf Ländern analysiert

Die gemeinsame statistische Auswertung der Daten von insgesamt 26 Kohorten aus zwölf Ländern - Australien, Kanada, USA sowie neun europäische Staaten - sei eine besonders anspruchsvolle Herausforderung gewesen, so Marie Standl, die als Doktorandin am Zentrum federführend die zentrale Datenanalyse vornahm.

Das Verständnis der Entstehungsmechanismen von Volkskrankheiten und die Ableitung neuer Angriffspunkte für Diagnose, Therapie und Prävention sind Ziele des Helmholtz Zentrums München.

Zur Erinnerung: Neurodermitis ist mit einer Häufigkeit von etwa 20 Prozent bei Kindern und etwa 5 Prozent bei Erwachsenen in westlichen Industrienationen eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen.

Sie geht oft der Entwicklung von Heuschnupfen und Asthma voraus. Ein großer Teil des Risikos, Neurodermitis und Allergien zu entwickeln, wird vererbt.

Außer dem Gen Filaggrin (FLG) mit dem Bauplan für ein epidermales Strukturprotein waren bisher kaum Gene bekannt, die bei Neurodermitis pathogenetisch bedeutsam sind. In Kombination mit Umwelteinflüssen kommt es zur Krankheitsentstehung.

* EArly Genetics and Lifecourse Epidemiology

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