Ärzte Zeitung App, 09.12.2013

Hautwarzen

Abwarten statt verarzten?

Die Behandlung von Hautwarzen bleibt häufig erfolglos - das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Auch ohne Therapie gehen viele von selbst weg.

Von Beate Schumacher

Abwarten statt verarzten?

Warze: Besonders gut sind die Chancen auf eine Spontanheilung bei jüngeren Kindern und bei Kindern nicht-kaukasischer Herkunft.

© Getty Images/iStockphoto

LEIDEN. Mit flüssigem Stickstoff vereisen, mit konzentrierter Salicylsäure auflösen - oder einfach abwarten?

Welcher Strategie gegen Hautwarzen der Vorzug zu geben ist, hängt auch von dem zu erwartenden Spontanverlauf ab. Die Daten hierzu sind allerdings mager und meist vor mehreren Jahrzehnten erhoben.

Ärzte der Universität Leiden haben deswegen bei Schulkindern Prävalenz und Heilungsraten von Verrucae unter die Lupe genommen (Ann Fam Med 2013; 11, 5: 437-441).

Jedes dritte Kind hat Warzen

Die Untersuchung von 1099 Kindern zwischen vier und zwölf Jahren förderte bei 366 Kindern (33 Prozent) Warzen an Fingern und/oder Füßen zutage.

Bei 70 Prozent von ihnen fanden sich Warzen auf den Fußsohlen, bei 42 Prozent auf Händen und/oder Fußrücken. Jedes dritte Kind hatte eine Warze mit einem Durchmesser von mindestens einem Zentimeter.

Kinder mit Warzenbefall wurden im Mittel 15 Monate später erneut untersucht. Die Heilungsrate betrug 52 pro 100 Personenjahren.

Mit anderen Worten: Gut die Hälfte der Kinder wurde innerhalb eines Jahres warzenfrei. Schloss man in der Beobachtungszeit neu entstandene Warzen aus, betrug die Heilungsrate sogar 90 Prozent.

Besonders gut waren die Heilungschancen bei jüngeren Kindern und bei Kindern nicht-kaukasischer Herkunft. Lokalisation und Größe der Warze hatten dagegen keinen Einfluss.

Eine größere Anzahl von Verrucae war sogar mit einer etwas besseren Aussicht verbunden, diese innerhalb eines Jahres wieder loszuwerden.

Bei 106 Kindern (38 Prozent) waren die Warzen im Studienzeitraum behandelt worden, OTC-Präparate kamen dabei etwas häufiger zum Einsatz als ärztliche Therapien.

Meist hatten Größe, Persistenz und/oder durch die Geschwulste verursachte Unannehmlichkeiten den Ausschlag für die Behandlung gegeben. Allerdings wurden von den behandelten Patienten 40 Prozent weniger warzenfrei als von den unbehandelten.

Ergebnisse "ungefähr auf Linie" mit älteren Daten

Den Studienautoren um Dr. Sjoerd C. Bruggink zufolge liegt die beobachtete Heilungsquote von 50 Prozent innerhalb eines Jahres "ungefähr auf einer Linie" mit älteren Daten.

Die niederländischen Ärzte weisen außerdem auf eine von ihnen durchgeführte, randomisierte Studie hin, in der mit einer "Wait-and-see"-Strategie bei 29 Prozent der Kinder die Warzen innerhalb von drei Monaten verschwanden.

In ihrer praktischen Empfehlung bleiben Bruggink und Kollegen dennoch relativ vage: "Patienten und Hausärzte sollten den gutartigen natürlichen Verlauf und die Nebenwirkungen und Kosten einer Behandlung auf der einen und die Wirksamkeit einer Behandlung und das Risiko der Verbreitung unbehandelter Warzen auf der anderen Seite gegeneinander abwägen."

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