Ärzte Zeitung, 28.08.2015

Geschwollene Finger

Bei Titanringen muss der Bolzenschneider ran

Viele Paare entscheiden sich für Eheringe aus Titan statt Gold, weil das Material härter ist. Der Nachteil: Wenn die Finger anschwellen, müssen Notfallmediziner mitunter zu ungewöhnlichen Mitten greifen.

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Für immer am Finger: Der Ehering. Doch wenn die Finger mal anschwellen, muss er runter - das wird bei Titanringen mitunter schwierig.

© Light Impression / fotolia.com

SHEFFIELD. Gold ist relativ weich, Titan ist hart - härter als Stahl. Das mag ein Grund sein, weshalb immer mehr frisch Vermählte Eheringe aus Titan bevorzugen. Allerdings kann sich die Wahl als Nachteil erweisen, wenn die Finger plötzlich anschwellen und das Schmuckstück entfernt werden muss.

Mit üblichen Ringschneidern klappt das meist nicht. Diese Erfahrung mussten auch Ärzte um Dr. Andrej Salibi von der Klinik in Sheffield machen, als sich ein Patient bei ihnen mit einem schmerzhaft geschwollenen Ringfinger vorstellte (Emerg Med J 2015; online 13. August). Dick geworden war der Finger nach einem langen Bad in warmem Wasser.

Normale Ringschneider bringen nichts

Klassische Methoden wie das Abziehen mit Schmiermittel und Faden waren gescheitert, es blieb nur noch der brachiale Einsatz von ringzerstörendem Werkzeug.

Doch der erwies sich als nicht einfach: Mit normalen Ringschneidern, die sich zum Öffnen von Gold- und Platinringen eignen, war hier nichts zu erreichen. In ihrer Not baten die Ärzte die Feuerwehr um Hilfe, doch auch die verfügte nicht über das geeignete Werkzeug.

Als Nächstes wurde der Patient zu den plastischen Chirurgen geschickt, in der Hoffnung, sie könnten den Ring irgendwie abziehen oder zerbrechen. Doch weder das eine noch das andere gelang. Stattdessen wurden beim Versuch, das leidbringende Objekt zu öffnen, zwei Ringschneider verschlissen.

chließlich fanden die Ärzte im OP einen Bolzenschneider, und damit hatten sie Erfolg: Sie konnten den Ring öffnen und fädelten anschließend an der Schnittstelle zwei größere Büroklammern ein. Damit zogen sie den Ring auseinander, bis sie den Finger befreien konnten.

Mit dem Bolzenschneider gelang die Öffnung in weniger als 30 Sekunden. Ein solches Gerät sei in den meisten Kliniken vorhanden, der Ring lasse sich damit, ohne den Finger zu verletzen, entfernen, schreiben die Ärzte um Salibi.

Vorsicht vor Splittern

Zu solchen Problemen können auch Ringe aus Wolframcarbid oder ähnlichen extrem harten, aber spröden Werkstoffen führen. Hier macht es dann wenig Sinn, den Ring durchzuschneiden, vielmehr sollten Ärzte versuchen, ihn aufzubrechen. Offenbar klappt das gut mit einer Feststell- oder Gripzange, schreiben Ärzte der Notfallabteilungan der University of Texas (wir berichteten).

Mit solchen Zangen wird der Ring von lateral erfasst. Durch vorsichtiges Drehen der Einstellschraube erhöht man den Greifdruck, bis der Ring zerspringt. Auch damit dauert es meist nur eine halbe Minute, um einen Finger zu befreien. Aber Vorsicht: Splitter schossen in einer Untersuchung schrapnellartig fast einen Meter weit. (mut)

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