Ärzte Zeitung, 21.09.2015

Therapie

Saures Nitrit setzt Genitalwarzen zu

Die Kombination von Nitrit und Zitronensäure eignet sich offenbar gut, um Genitalwarzen los zu werden.

Von Thomas Müller

Saures Nitrit setzt Genitalwarzen zu

Genitalwarzen: Die Therapie mit Nitrit ist den Studiendaten zufolge wirksam, im Blick auf Nebenwirkung allerdings nicht wirklich sanft.

© CDC/ Dr. M.F. Rein

ABERDEEN. Schneiden, lasern, wegfrieren oder wegätzen - gegen Anogenitalwarzen gibt es eine Vielzahl von Therapien, die entweder oft sehr schmerzhaft und aufwändig sind oder wenig nützen.

Auf der Suche nach einer schonenden und zugleich effektiven Therapie haben es Dermatologen um Dr. Anthony Ormerod nun mit saurem Nitrit versucht, das in zwei Komponenten auf die Warzen gestrichen wird: eine Creme mit Natriumnitrit, eine andere mit Zitronensäure (Jama Dermatol 2015; 151: 854).

Die Idee dahinter: Bei niedrigem pH-Wert zerfällt Nitrit in Stickoxide. Vor allem für Stickstoffmonoxid (NO) ließen sich antimikrobielle, antivirale und immunstimulierende Wirkungen nachweisen.

Diese sollten nach Vorstellung der Studienärzte auch den Genitalwarzen zusetzen. Bei anderen Hauterkrankungen wie Fußpilz und bei Wundinfektionen schien saures Nitrit in Studien eine gewisse Wirkung zu haben.

Keine Rezidive beobachtet

Für ihre europaweite Untersuchung konnten die Forscher 40 Zentren und knapp 300 Patienten gewinnen. Im Schnitt hatten die Patienten jeweils rund zehn Genitalwarzen.

Die Teilnehmer wurden in vier gleich großen Gruppen über drei Monate hinweg behandelt. Die erste Gruppe trug zweimal täglich zwei verschiedene Placebocremes auf. Damit wurden 14 Prozent innerhalb von drei Monaten ihre Warzen los.

In der zweiten Gruppe bekamen die Patienten eine niedrigdosierte Nitritcreme (3 Prozent) und eine niedrigdosierte Zitronensäurecreme (4,5 Prozent). Nur unwesentlich mehr, nämlich 15 Prozent der Patienten, waren nach zwölf Wochen warzenfrei.

Mit 6 Prozent Nitrit und 9 Prozent Zitronensäure gelang dies immerhin 23 Prozent, und mit 9 Prozent Nitrit und 9 Prozent Zitronensäure verschwanden die Warzen bei 31 Prozent der Patienten.

In der vierten Gruppe mit der hohen Dosierung war der Unterschied zu Placebo statistisch signifikant. Insgesamt wurden unter der hohen Dosierung also mehr als doppelt so viele Patienten warzenfrei, auch verschwanden die Wucherungen signifikant schneller als unter der Scheinmedikation.

Nach weiteren drei Monaten war es zu keinen Rezidiven bei den 63 Patienten gekommen, die zu einem Nachuntersuchungstermin erschienen waren.

Juckreiz, Schmerz und Brennen

Allerdings traten unter der Behandlung mit saurem Nitrit auch häufig Nebenwirkungen auf. Einen Juckreiz an den behandelten Warzen verspürten 38 Prozent in der Gruppe mit der höchsten Wirkstoffdosierung, 14 Prozent waren es mit Placebo.

Auch Schmerzen traten dosisabhängig öfter auf (21 versus 14 Prozent), ebenso wurden häufiger Brennen (28 versus 10 Prozent), Erytheme (12 versus 3 Prozent) und Ödeme (16 versus 3 Prozent) registriert.

Insgesamt brachen 21 Patienten in den drei Gruppen mit aktiver Behandlung die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab, jedoch keiner unter Placebo. Schwere unerwünschte Wirkungen, die sich auf die Behandlung zurückführen ließen, wurden in keiner der vier Gruppen beobachtet.

Die Dermatologen um Ormerod sehen in ihren Studiendaten einen guten Beleg für die Wirksamkeit von saurem Nitrit. Da sich im Studienverlauf kein Plateau erkennen ließ, sei das Optimum bei der Therapiedauer wohl noch nicht erreicht worden. Man könne folglich hoffen, dass bei noch längerer Behandlung noch mehr Patienten warzenfrei würden.

Von der Wirksamkeit her sei saures Nitrit durchaus mit anderen Therapeutika wie Imiquimod zu vergleichen, sofern man auch die Rezidivrate mit einbeziehe. Allerdings scheint die Behandlung mit Blick auf die Nebenwirkungen auch nicht wirklich sanfter zu sein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »