Ärzte Zeitung online, 19.05.2017

Herpes Zoster

Krebspatienten haben ein erhöhtes Risiko

Krebspatienten haben ein um 29 Prozent erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Herpes zoster, so das Ergebnis einer Fall-Kontroll-Studie. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang in den ersten Jahren nach Tumordiagnose sowie bei jüngeren Patienten.

Von Christine Starostzik

Krebspatienten haben ein erhöhtes Risiko

Jüngere Krebspatienten sind den Studienergebnissen zufolge anfälliger für Herpes zoster als ältere.

© librakv / Stock.Adobe.com

LONDON. Von einigen Krebsarten ist bekannt, dass sie mit einem erhöhten Risiko für Herpes Zoster einhergehen. Erik Hansson und Kollegen von der London School of Hygiene and Tropical Medicine haben jetzt Zusammenhänge zwischen den 21 häufigsten Krebserkrankungen und dem Auftreten von Herpes Zoster in einer Fall-Kontroll-Studie anhand von Patientendateien näher untersucht (BJC 2017; online 2. Mai).

In die Studie wurden insgesamt 192.081 britische Zoster-Patienten sowie 732.035 entsprechende Kontrollpersonen ohne diese Infektion eingeschlossen. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei rund 62 Jahren.

Die Rückschau zeigte, dass bei 8,4 Prozent der Studienteilnehmer, die einen Herpes Zoster entwickelten, zuvor eine Krebserkrankung bestanden hatte, aber nur bei 6,7 Prozent der Kontrollpatienten (adjustierte Odds Ratio, OR 1,29).

Im Mittel waren rund sechs Jahre von der Krebsdiagnose bis zum Auftreten der Gürtelrose vergangen.

Dabei hing die Höhe des Risikos stark von der Art des Tumors ab. Besonders deutlich wurde der Zusammenhang bei hämatologischen Malignomen (OR 2,46). Myelom-Patienten etwa entwickelten mehr als viermal so häufig eine Gürtelrose wie Patienten mit krebsfreien Kontrollen und auch das Risiko nach Lymphomen oder Leukämien war in der adjustierten Analyse mehr als verdoppelt.

Signifikant gehäuft zeigte sich ein Herpes Zoster zudem bei Patienten mit Krebserkrankungen des ZNS (adj. OR 2,31), während das Risiko bei Karzinomen von Mundhöhle, Ösophagus, Magen, Kolon und Rektum, Lunge, Brust, Ovarien, Prostata, Nieren und Blase um 10–50 Prozent erhöht war. Möglicherweise, so die Autoren, seien diese Unterschiede unter anderem den verschiedenen Therapiemaßnahmen zuzuschreiben.

Der stärkste Zusammenhang ergab sich bis zu drei Jahre nach der Krebsdiagnose. Mit zunehmendem Alter nahm das Risiko ab, sowohl nach hämatologischen als auch nach soliden Malignomen.

Diese Studie, so Hansson und Kollegen, trage dazu bei, die Evidenz dafür zu erhärten, dass Krebserkrankungen mit einem erhöhten Zoster-Risiko assoziiert seien. Zwei Mechanismen könnten diesem Zusammenhang zugrunde liegen. Einerseits könnten beide Erkrankungen auf dem Boden einer Immunschwäche entstehen, andererseits könnte aber auch die maligne Erkrankung selbst und/oder deren Therapie die Dysfunktion des Immunsystems verursachen und damit die Entwicklung des Herpes Zoster begünstigen.

Die Ergebnisse ihrer Studie, so Hansson und Kollegen, könnten dazu veranlassen, nach den ersten charakteristischen Zoster-Symptomen bei Krebspatienten möglichst schnell mit einer antiviralen Therapie zu beginnen. Auch eine Zoster-Impfung, sehr früh nach der Krebsdiagnose und vor Beginn immunsuppressiver Therapien, halten die Forscher für angebracht, sobald deren Sicherheit und Effektivität belegt seien. Neue Impfstoffe seien in der Entwicklung, sodass künftig möglicherweise auch der Impfschutz für immunsupprimierte Patienten möglich werde.

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