Ärzte Zeitung, 02.03.2004

Start für größte Datenerfassung zu Atherosklerose

Nun werden auch in Deutschland Infos etwa zu Langzeitrisiken erfaßt / Ziel ist Zustandsbericht der Patientenversorgung

FRANKFURT AM MAIN (ner). Die weltweit größte Datenerhebung zu Atherothrombose hat nun auch in Deutschland begonnen. Im REACH-Register werden Daten von mehr als 50 000 Personen aus über 35 Ländern gesammelt, vorzugsweise von ambulant tätigen Ärzten.

REACH (Reduction of Atherothrombosis for Continued Health) soll Aufschluß geben über das Langzeitrisiko von Atherosklerose-Patienten, über die Zahl der Interventionen, Daten zum Patienten-Management in verschiedenen Arztgruppen (Hausärzte, Fachärzte) sowie über pharmakoökonomische Einflüsse auf die Behandlung. Nach Angaben von Professor Joachim Röther aus Hamburg sind etwa 500 Zentren in Deutschland beteiligt, die jeweils zehn Patienten rekrutieren sollen.

Mit den über zwei Jahre erhobenen Daten werde man sich im niedergelassenen Bereich endlich gegen die permanenten Vorwürfe einer zu teuren oder schlechten Medizin wehren können, sagte Dr. Christian Klepzig, niedergelassener Internist in Offenbach, bei einer Veranstaltung des Unternehmens Bristol-Myers Squibb in Frankfurt am Main.

Klepzig nannte es im Zusammenhang mit Diabetes-bedingten Gefäßerkrankungen einen Skandal, daß man in Deutschland noch nicht einmal die Zahl der jährlichen Amputationen kenne. "Die teuerste Volkskrankheit läuft in Deutschland ab, ohne das auch nur einer weiß, was wirklich passiert", kritisierte der Diabetologe. Das REACH-Register werde eine Zustandsbeschreibung über essentielle Probleme des deutschen Gesundheitswesens liefern.

Im Dezember 2003 war das internationale REACH-Projekt, welches von den Unternehmen Bristol-Myers Squibb und Sanofi-Synthelabo unterstützt wird, offiziell gestartet worden (wir berichteten).

In den vergangenen Tagen sind die ersten deutschen Studienteilnehmer erfaßt worden, wie Röther mitgeteilt hat. Es würden nicht nur Patienten mit hohem atherothrombotischem Risiko, etwa nach Myokardinfarkt, in die Erhebung aufgenommen, sondern auch Menschen, die mindestens drei von neun definierten Risikofaktoren aufweisen wie Rauchen, hohes Alter oder Hyperlipidämie. Damit erhalte man Informationen über eine sehr breite Risikopopulation in Deutschland.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »