Ärzte Zeitung, 19.04.2004

Beschichtete Stents werden noch selten eingesetzt

Bei Medikamenten-freisetzenden Stents sind Restenosen die Ausnahme / Bypaß-Operationen werden eingespart

Als "echten Sprung in der Fortentwicklung" der interventionellen Kardiologie hat Professor Christoph Bode die Einführung Medikamenten-freisetzender Stents für Patienten mit koronarer Herzerkrankung bezeichnet. Doch aus Kostengründen werden die Stents in Deutschland seltener verwendet als in anderen europäischen Ländern und in den USA.

Von Thomas Meißner

Eigentlich müßte jeder Patient, bei dem die Indikation zur Koronarangioplastie besteht, einen Medikamenten-freisetzenden Stent (DES - drug eluting stent) bekommen. Denn die Restenoseraten sind mit null bis neun Prozent sehr niedrig. Und in den Studien haben alle Subgruppen im Vergleich zu herkömmlichen Metallstents vom DES profitiert. Das sagte Bode bei einer Veranstaltung des Unternehmens Cordis zum Kardiologenkongreß, das den Sirolimus-beschichteten Stent Cypher™ anbietet.

Nach Daten aus Studien haben 60 Prozent der Patienten im Jahr nach einer Ballondilatation ohne Stent kein kardiovaskuläres Ereignis: Herzinfarkt, erneute Revaskularisation, Bypaß-Op oder Tod. Mit herkömmlichen Stents sind es 75 Prozent, nach koronarer Bypaß-Operation 90 Prozent, bei Behandlung mit einem DES sind es jedoch 91 bis 94 Prozent.

Die Kosten von 2300 Euro plus Mehrwertsteuer haben bislang allerdings die weite Verbreitung von DES in Deutschland verhindert: Nur jeder zwanzigste implantierte Stent in Deutschland ist ein DES. In anderen europäischen Staaten und den USA seien es im Gegensatz dazu bereits mehr als die Hälfte, hieß es. Bode kritisierte, daß Krankenkassen bislang die Kosten nicht erstattet haben.

Nur die Techniker-Krankenkasse übernimmt die Kosten im einem Modell-Projekt. Die Krankenkassen würden von der häufigeren Verwendung der Stents allerdings profitieren, denn nach einer DES-Therapie müßten weniger Patienten erneut behandelt werden, Bypaß-Operationen werden eingespart. Die bestehende Option zur Vereinbarung eines Zusatzentgeltes greife zu kurz, so Bode, und müsse zudem jeweils von den Krankenhäusern ausgehandelt werden.

Außerdem werde lediglich Geld innerhalb des bestehenden Budgets umgeschichtet. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis. "Als Arzt ist man jedem Patienten verpflichtet und möchte jedem die bestmögliche Therapie anbieten", sagte Bode. Dies scheine sich zu verändern, etwa wenn man jene Patienten auswähle, die am meisten von DES profitieren wie Diabetiker oder Patienten mit komplexen Stenosen.

Von jenen KHK-Patienten, die auf die neuartigen Stents verzichten müssen, obwohl sie einen Nutzen davon hätten, verlange man aus ökonomischen Gründen ein Opfer. Dies führe zunehmend zu Erklärungsnöten von Kardiologen bei informierten Patienten.

Als strukturelles Haupthindernis in der Kostenfrage nannten die Kardiologen und Gesundheitsökonomen die Abrechnung in Kostensektoren. Es müsse künftig einen Fluß geben etwa zwischen den Kostensektoren im Krankenhaus, der ambulanten Versorgung oder der Arzneimittel-Versorgung sowie den Folgekosten von Krankheiten und der Behandlung. Das forderte Dr. Bernd Brüggenjürgen von der Humboldt-Universität Berlin. Dann werde der höhere Preis einer Therapie, etwa mit einem Sirolimus-Stent, durch reduzierte Folgekosten ausgeglichen, so daß die Gesamtkosten sinken.

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