Ärzte Zeitung, 16.09.2005

Was bringt die doppelte Bremse im Renin/Angiotensin-System?

Angiotensin-II-Antagonisten und ACE-Hemmer als mögliche Kombinationspartner / VALIANT-Studie: Kein Vorteil in der Post-Infarkt-Situation

WÜRZBURG (mf). Angiotensin-II-Antagonisten haben sich bei Hypertonie, Herzinsuffizienz und diabetischer Nephropathie bewährt. Erfolgversprechend sei die Kombination dieser Substanzen mit ACE-Hemmern derzeit besonders für Nephrologen, so Professor Rainer Düsing von der Universität Bonn.

Kaum eine Substanzgruppe sei in klinischen Studien so intensiv geprüft worden wie die Angiotensin-II-Antagonisten, sagte Düsing auf einer von Novartis unterstützten Veranstaltung in Würzburg.

An den großen Studien haben etwa 142 000 Patienten teilgenommen; davon wurden etwa 36 000 mit Valsartan behandelt, wie Düsing berichtete. Valsartan (vom Unternehmen als Diovan® angeboten) hat vor kurzem die Zulassung für Patienten nach Infarkt erhalten.

    Additive Arznei-Effekte könnten Nierenkranken helfen.
   

In der VALIANT-Studie hatte sich das Medikament in hoher Dosierung als ebenso wirksam erwiesen wie ein hochdosierter ACE-Hemmer, die Kombination aus beiden Substanzen brachte keinen weiteren Vorteil. Düsing: "In der Post-Infarkt-Situation ist eine Kombination also eindeutig nicht sinnvoll."

Bei der Indikation Herzinsuffizienz sei die Datenlage zur Kombi-Therapie mit ACE-Hemmern und Angiotensin-II-Antagonisten weniger überzeugend als in der Post-Infarkt-Situation: Ein Design mit hohen Dosen beider Substanzen wie in der VALIANT-Studie gebe es in den Herzinsuffizienz-Studien nicht. Keine größeren Studien zur Kombinationsbehandlung gebe es bei der Indikation Hypertonie.

Vielversprechend sei die Kombination hingegen bei Patienten mit proteinurischer Nierenerkrankung. Mittlerweile seien in großen Studien mit Angiotensin-II-Antagonisten bereits etwa 4150 nierenkranke Patienten behandelt worden, so Düsing. Die meisten Daten zum protektiven Effekt der RAS-Hemmung gebe es für ACE-Hemmer bei Typ-1-Diabetikern und für Angiotensin-II-Antagonisten bei Typ-II-Diabetikern.

Die Nephrologen gehen von einem additiven Effekt bei einer Kombination dieser Substanzen aus, so Düsing. Als ebenfalls vielversprechend bezeichnete Düsing im übrigen den Effekt einer RAS-Blockade - besonders durch Angiotensin-II-Antagonisten - bei der Schlaganfall-Prävention.

Professor Dr. Michael Steffen aus Köln hob die gute Verträglichkeit der Angiotensin-II-Antagonisten hervor, selbst bei einer Verdoppelung der Dosierung. Da Husten und angioneurotisches Ödem bei einer Therapie nicht zu befürchten seien, seien Angiotensin-II-Antagonisten Mittel der Wahl für Patienten, bei denen ACE-Hemmer sinnvoll seien, aber unerwünschte Wirkungen hätten, so Düsing.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »