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Ärzte Zeitung, 11.10.2005

Vitamine gegen Homocystein - schützt das Gefäße?

Diskussion um B-Vitamine-Therapie zur Atherosklerose-Prävention / Spezialisten kritisieren Interpretation von Daten

DRESDEN (gvg). Muß man sich von der Hypothese, daß Homocystein eine der Ursachen von Atherosklerose und ihren Folgekrankheiten ist, verabschieden? Nein, sagen Vertreter der deutsch-österreichisch-schweizerischen D.A.CH-Liga Homocystein. Trotz negativer Studiendaten sind sie weiter davon überzeugt, daß Folsäure und Vitamin B12 präventives Potential haben, weil sie den Homocystein-Spiegel senken.

Brustschmerz links gehört zu den Herzinfarkt-Symptomen. Seit längerem wird diskutiert, ob Homocystein eine der Ursachen von Gefäßkrankheiten ist. Foto: imago

Negative Daten stammen aus der Norvit-Studie. Sie ist erste von mehreren Doppelblindstudien, in der geprüft wird, ob die Absenkung erhöhter Homocysteinwerte im Plasma durch Supplementation von Vitamin B12 und Folsäure die kardiovaskuläre Ereignisrate reduziert.

Wie berichtet, kam es in der Norvit-Studie bei 3749 Patienten nach Herzinfarkt und einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 3,5 Jahren mit der zusätzlichen Vitamin B12-Folsäure-Supplementation zu keiner Reduktion der kardiovaskulären Ereignisrate. In einem der Studienarme gab es sogar einen Trend zu mehr Krebserkrankungen.

"Wir sind dennoch nicht der Auffassung, daß Folsäure nichts bringt", sagte Professor Olaf Stanger aus Graz auf einer Veranstaltung der D.A.CH.-Liga auf der Herbsttagung der deutschen Kardiologen. Es gebe viele Beobachtungen, die den Nutzen einer Folsäure-Therapie nahe legten.

An der Norvit-Studie kritisiert die D.A.CH.-Liga, daß in ihr die Vitamine nur zur Sekundärprävention eingenommen wurden. Bei Therapie mit den nach Herzinfarkt nötigen Medikamenten sei der mit Vitaminen zusätzlich erreichbare Nutzen notwendigerweise klein.

Die Studie wäre demnach unterpowert gewesen. Um einen Effekt in der Sekundärprävention nachzuweisen, hätten etwa 20 000 Patienten aufgenommen und fünf Jahre beobachtet werden müssen, so die D.A.CH.-Liga.

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC hätte die auf Primärprävention angelegte Folsäure-Supplementation in den USA als Erfolg gewürdigt, so Stanger in Dresden.

    Folsäure-Zusatz in Lebensmitteln ist üblich in USA.
   

Nach Berechnungen würden damit pro Jahr über 20 000 Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindert. In der Primärprävention könne der gefäßschützende Effekt frühzeitig greifen.

Kritisiert wird auch die Interpretation, daß die erhöhte Krebsinzidenz Folge der Therapie sei. In den USA und Kanada, wo Nahrungsmittel seit 1998 mit Folsäure angereichert werden, sei keine Erhöhung der Krebsinzidenz beobachtet worden. Theoretisch sei aber denkbar, daß bereits vorhandene Tumorzellen bei guter Vitaminversorgung besser wachsen.

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