Ärzte Zeitung, 09.03.2006

Neuer Chelator holt überschüssiges Eisen aus Herz und Leber

Orale Deferasirox-Therapie bei transfusionsbedingter Eisenüberladung / Betroffen sind etwa Patienten mit Myelodysplasie / Zulassung erwartet

DÜSSELDORF (miz). Besonders für Patienten, die dauerhaft Bluttransfusionen brauchen und herzkrank sind, ist es wichtig, eine Eisenüberladung des Herzmuskels zu vermeiden. Sie entsteht durch die Therapie mit Erythrozytenkonzentraten. Ein neuer oraler Chelator kann den Eisengehalt senken.

Bei Patienten mit myelodysplastischen Syndromen (MDS) kommt es durch die Behandlung mit Erythrozytenkonzentraten im Laufe der Zeit zu einer Eisenüberladung der Organe. Da viele Erkrankte über 70 Jahre alt sind und oft schon Herzkrankheiten haben, ist die Beseitigung des Eisens aus den Herzmuskelzellen besonders wichtig.

Patienten mit Eisenüberladung erhielten bisher etwa mehrfach pro Woche subkutane Deferoxamin-Infusionen, was langwierig und aufwendig ist. Voraussichtlich ab Mitte 2006 wird mit Deferasirox (Exjade®) ein neuer oraler Chelator zur Verfügung stehen und so die Therapie vereinfachen (wie berichtet).

"Bei Patienten über 70 sind die myelodysplastischen Syndrome wahrscheinlich die häufigste hämatologische Erkrankung überhaupt", sagte Privatdozent Ulrich Germing von der Universität Düsseldorf bei einer von Novartis unterstützten Veranstaltung in Düsseldorf. Etwa 20 bis 50 Menschen pro 100 000 Einwohner erkranken alljährlich neu an einem MDS. Zwei Drittel von ihnen benötigen dauerhaft Transfusionen.

Jedes Erythrozytenkonzentrat belastet den Organismus mit 200 bis 250 mg Eisen, der Großteil wird in den Organen eingelagert. Zudem hätten MDS-Patienten schon vor der ersten Transfusion eine Eisenüberladung, so Professor Norbert Gattermann von der Uni Düsseldorf. Denn durch die ineffektive Blutbildung steigt die duodenale Eisenaufnahme.

Die Eisenüberladung schädigt vor allem Leber und Herz. Folgen können Leberzirrhose, Arrhythmien und Herzinsuffizienz sein. Nach Daten aus zwei Studien verringert sich durch eine einjährige Therapie mit Deferasirox die kardiale Eisenlast. Britische Kollegen belegten das etwa mit Magnetresonanz-Tomographie.

Daten der Düsseldorfer Klinik zufolge reichen bei vielen MDS-Patienten täglich 20 mg/kg des Medikaments aus. Weltweit wurden bisher über 2 000 Patienten mit Deferasirox behandelt, ohne daß eine Agranulozytose auftrat - eine unerwünschte Wirkung beim älteren oralen Chelator Deferipron. Die häufigsten unerwünschten Effekte des neuen Chelators sind Übelkeit und Durchfall.

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