Ärzte Zeitung, 26.05.2006

Was ist besser bei Karotisstenose: Stent oder Operation?

Erste Ergebnisse der SPACE-Studie mit 1200 Patienten / Endauswertung 2008 geplant / Forscher kritisiert geringe finanzielle Unterstützung

BERLIN (gvg). Werden Patienten wegen einer Karotisstenose operiert oder erhalten sie einen Stent, bekommt etwa jeder fünfzehnte von ihnen binnen 30 Tagen einen Schlaganfall oder stirbt. Das ergeben erste Daten der SPACE-Studie.

Die SPACE-Studie (Stentgeschützte Angioplastie der Carotis versus Endoarteriektomie) ist eine deutsch-österreichisch-schweizerische Multicenterstudie, bei der die operative Ausschälung der Arteria carotis mit der weniger invasiven Stentimplantation in einer randomisierten Studie verglichen wird. Insgesamt nahmen 1200 Patienten mit symptomatischer Karotisstenose teil. Primärer Endpunkt ist die Häufigkeit von Schlaganfällen und Todesfällen.

Auf dem Röntgenkongreß in Berlin wurden jetzt die ersten Ergebnisse vorgestellt, die einen Zeitraum von 30 Tagen umfassen. Die entscheidende Endauswertung mit zwei Jahren Nachbeobachtungszeit soll 2008 vorliegen. Im ersten Monat nach dem Eingriff bekamen 6,3 Prozent der operierten Patienten einen Schlaganfall oder starben. In der Stent-Gruppe waren es mit 6,8 Prozent nur marginal mehr.

Rückschlüsse zur Über- oder Unterlegenheit des einen oder anderen Verfahrens ließen sich hieraus nicht ableiten, sagte der Neuroradiologe Professor Hartmut-Josef Brückmann aus München. Eher sehe es nach einer Gleichwertigkeit beider Strategien aus. "Was wir schon jetzt sagen können ist, daß es erhebliche Unterschiede zwischen den Einrichtungen gibt", so Brückmann.

Das treffe offenbar vor allem auf die Stent-Gruppe zu. Diese Unterschiede seien umso bedeutender, weil es sich um ausgewählte Zentren handele, in denen jeder Behandler mindestens 25 derartige Eingriffe gemacht haben mußte. Die Komplikationsrate bei der Methode dürfte demnach in den teilnehmenden Länder derzeit noch höher liegen.

Brückmann kritisierte die geringe finanzielle Unterstützung der Studie, obwohl es sich um ein für die Kassen finanziell relevantes Versorgungsthema handelt. Mindestens ein Drittel des Budgets stamme von den beteiligten Fachgesellschaften, so Brückmann. Es sei ein starkes Stück, daß Ärzte für Studien, die sie im Interesse der Allgemeinheit machten, jetzt schon selbst bezahlen müßten.

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