Ärzte Zeitung, 09.10.2006

Pioglitazon mindert Blutzucker und Gefäßrisiko

Antiatherogene Effekte in der Pioneer-Studie bestätigt / Änderung der Intima-Media-Dicke der Karotis bestimmt

LEIPZIG (hbr). Das orale Antidiabetikum Pioglitazon senkt nicht nur den Blutzucker, sondern nützt auch den Gefäßen: Unter der Behandlung steigt der Spiegel des Schutzhormons Adiponektin. Gleichzeitig sinkt der Proinsulin-Spiegel, und die Intima-Media-Dicke verringert sich.

Ultraschall-Messung der Arteria carotis communis. Dabei wird die Intima-Media-Dicke (markiert durch Pfeil und Kreuze) gemessen. Foto: Dr. Ulrich Tholl

Das ist das Ergebnis der Pioneer-Studie, die in Leipzig Professor Andreas Pfützner vom Mainzer Institut für klinische Forschung und Entwicklung (IKFE) vorgestellt hat. In der Untersuchung wurde geprüft, ob Pioglitazon (Actos®) unabhängig von der Verbesserung des Kohlenhydrat-Stoffwechsels antiatherogene Effekte hat. Dafür erhielten 173 Typ-2-Diabetiker täglich bis zu 6 mg Glimepirid oder 45 mg Pioglitazon. Beide Gruppen wurden auf den gleichen Blutzuckerbereich eingestellt, um substanzspezifische Effekte deutlich zu machen.

Gemessen wurde die Änderung der Intima-Media-Dicke (IMT) der Karotis. Sie dient als Surrogatparameter der Atherosklerose. Weitere Meßwerte, die nach sechs Monaten ermittelt wurden, waren unter anderem die Spiegel für Proinsulin und Adiponektin.

Der Proinsulinspiegel steigt mit zunehmender Insulinresistenz und -sekretion, wenn die Betazellen immer weniger des Proinsulins in C-Peptid und Insulin aufspalten können. In Studien war ein nüchtern gemessener hoher Proinsulinwert mit mehr kardiovaskulären Ereignissen assoziiert. Auch injiziertes Proinsulin erhöhe die Ereignisrate, so Pfützner auf einem von dem Unternehmen Takeda Pharma unterstützten Symposium. Als bedenklich gilt ein Wert über 11 pmol / l im Plasma.

Adiponektin wiederum steigert die Insulinempfindlichkeit. Es ist offenbar ein antiatherogenes Schutzhormon: Je mehr davon vorhanden ist, um so besser für den Patienten. Das Fettgewebe produziert jedoch immer weniger davon, je dicker es wird. Weniger als 7 mg / l seien mit einem hohen Ereignisrisiko assoziiert, so Pfützner.

Die Studien-Ergebnisse belegen für beide Gruppen trotz ähnlicher HbA1c-Senkung signifikante Unterschiede: Alle Parameter besserten sich mit Pioglitazon. So sank der Adiponektinspiegel unter dem Sulfonylharnstoff weiter, er stieg aber in der Glitazongruppe um 174 Prozent. Ein Adiponektin-Anstieg ist ein Hinweis auf eine Verbesserung des Risikoprofils. Auch Proinsulinwert und IMT besserten sich mit dem Glitazon erheblich.

STICHWORT

Adiponektin

Adiponektin wird im Fettgewebe von den Adipozyten freigesetzt. Es ist ein Protein, das ausschließlich von weißem Fettgewebe produziert wird. Das Eiweißmolekül gilt als endogener Insulinsensitizer und hat möglicherweise auch kardioprotektive Effekte. Je geringer die Menge des Hormons in Blut herzkranker Patienten ist, desto stärker ist die Schädigung der Herzkranzgefäße fortgeschritten, wie Heidelberger Wissenschaftler herausgefunden haben (JACC 47 / 10, 2006: 2118). Adiponektin findet sich in relativ hohen Konzentrationen (bis zu 30 mg / l) in der systemischen Zirkulation. (eb)

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