Ärzte Zeitung, 17.04.2008

Mit Neurostimulation gegen Herzschmerz

Durch elektrische Impulse haben Patienten mit therapierefraktärer Angina pectoris weniger Schmerzen

MANNHEIM (Rö). Patienten mit therapierefraktärer Angina pectoris kann die Methode der Neurostimulation helfen. Sie haben dadurch weniger Schmerzen und seltener und weniger schwere Anginapectoris-Anfälle.

 Mit Neurostimulation gegen Herzschmerz

Zwei Stimulationselektroden im Wirbelkanal geben gezielt elektrische Impulse an die Rückenmarksnerven ab. Das dämpft die Schmerzweiterleitung. Modell: Medtronic

Die Neurostimulation wird bereits seit 2001 von der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft zur Behandlung von Patienten mit Angina pectoris empfohlen, bei denen die klassischen Therapiemethoden ausgereizt sind. In Deutschland werde die Methode allerdings immer noch selten angewandt, haben Spezialisten bei einer Veranstaltung des Unternehmens Medtronic beim Kardiologenkongress in Mannheim bedauert.

Wie Dr. Siegfried Eckert vom Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen erläutert hat, können bei der sogenannten Spinal Cord Stimulation Patienten mit therapierefraktärer Angina ein in den linken Oberbauch implantiertes Stimulationsgerät bei Bedarf oder auch permanent anstellen und die Intensität der Stimulation regulieren. Das Gerät ist mit zwei Elektroden im Wirbelkanal verbunden. Durch feine elektrische Impulse an die Rückenmarksnerven wird die Schmerzweiterleitung vermindert und so der Schmerz verringert.

Bei den Erfahrungen mit der Methode am Herzzentrum in Bad Oeynhausen lagen die Erfolgsraten bei 80 bis 90 Prozent, gemessen daran, dass die Angina pectoris in Intensität und Häufigkeit um mehr als 50 Prozent abnimmt. Nahezu jeder zweite so behandelte Patient wird schmerzfrei. Belegt wurde in einer Studie mit 83 Patienten auch, dass die Zahl der jährlichen Krankenhaustage der Patienten von im Mittel 28 auf einen zurückgegangen war.

Offenbar reduziert die Methode auch den Koronarwiderstand und erhöht den koronaren Blutfluss im minderperfundierten vitalen Myokard, das die Schmerzen verursacht. Dass es sich bei dem Erfolg der Methode nicht um einen Placebo-Effekt handelt, hat die Arbeitsgruppe um Professor Heinz Theres an der Charité in Berlin in einer Studie nachgewiesen. In der ausgeklügelten Pilotstudie wurde mit unterschiedlicher Stimulationsintensität quasi ein Placebo-kontrolliertes Design möglich. Auf diese Weise hat die Berliner Arbeitsgruppe belegt, dass auch unterhalb der Schwelle des Kribbelns, also, ohne dass die Patienten spüren ob die Stimulation gerade läuft, ein günstiger Effekt auf die Symptome erreicht.

Die Therapie wird von den Krankenkassen bezahlt, hieß es. Sie wird bisher am häufigsten angewandt, wo interdisziplinär zusammengearbeitet wird: etwa in Bad Oeynhausen zwischen Anästhesie und Kardiologie, an der Charité in Berlin zwischen Neurochirurgie und Kardiologie.

Nähere Infos zur Anwendung gibt es auch beim Unternehmen: www.medtronic.de

STICHWORT

Neurostimulation

Für die Neurostimulation bei Angina pectoris werden in einem kurzen Eingriff eine Elektrode oder zwei Elektroden in den Wirbelkanal eingeführt und mit einem voll

implantierten elektrischen Impulsgeber verbunden. In Höhe der Brust werden feine elektrische Impulse an die Rückenmarksnerven abgegeben. Dadurch wird die Schmerzweiterleitung in den Nervenbahnen des Rückenmarks gedämpft. Der Patient verspürt ein leichtes, als angenehm empfundenes Kribbeln in den früheren Schmerzarealen der Angina pectoris. Es wird auch beobachtet, dass unzureichendes Herzmuskelgewebe wieder besser mit Sauerstoff versorgt wird.

(Rö)

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