Ärzte Zeitung, 03.04.2008

Task Force für Erwachsene mit Herzfehlern

Experten erarbeiten Empfehlungen für passende Versorgungsstrukturen  /  Erwachsene mit kongenitalen Herzvitien noch unzureichend versorgt

WIESBADEN (ner). Es gibt immer mehr Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern, die im Moment nicht adäquat versorgt werden können. Eine interdisziplinäre Task Force erarbeitet Empfehlungen für passende Versorgungsstrukturen und will außerdem eine neue Zusatzbezeichnung für Kardiologen etablieren.

 task force für erwachsene mit herzfehlern

Kollegen begutachten CT-Bilder eines Patienten, der eine Herzuntersuchung bekommen hat.

Foto: ddp

Erreichten früher gerade einmal 10 Prozent der Kinder mit schweren angeborenen Herzfehlern das Erwachsenenalter, sind es heute 85 bis 90 Prozent. Von etwa 230 000 betroffenen Patienten in Deutschland haben bereits 140 000 das Erwachsenenalter erreicht. Diese Patienten seien jedoch keinesfalls geheilt, betonte Professor Günter Breithardt von der Universitätsklinik Münster beim Internisten-Kongress. Denn sie haben ein hohes Herzinsuffizienz-Risiko. 26 Prozent sterben nach notwendig gewordenen Folgeoperationen, 22 Prozent am plötzlichen Herztod.

Jedoch gehen viele kaum noch oder zu spät zum Arzt, wenn die kinderkardiologische Betreuung beendet ist. Erwachsenen-Kardiologen seien mit der Problematik nicht ausreichend vertraut, die Patienten fielen in ein Versorgungsloch, so der Kardiologe. Zudem gibt es kaum wissenschaftliche Studien darüber, wie Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern optimal medizinisch zu versorgen sind. Hinzu kommen Probleme bei der Berufswahl, Fragen zur Fahrtüchtigkeit oder Schwangerschaft. Viele Versicherungen seien nicht bereit, Verträge mit diesen Personen abzuschließen und es fehlt an psychosozialer Betreuung.

Eine Task Force unter Leitung von Breithardt hat sich dieser Fragen angenommen. Sie besteht aus Kardiologen, Kinderkardiologen, Herzchirurgen, Klinikern und niedergelassenen Spezialisten. Sie erarbeitet auch Empfehlungen für Versorgungsstrukturen und analysiert, was Hausärzte und niedergelassene Internisten leisten können, was Spezialisten.

Eine Leitlinie ist gemeinsam mit österreichischen und Schweizer Kollegen fertig gestellt worden. Kardiologen sollen künftig die Zusatzbezeichnung "Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern" erlangen können. Im Kompetenznetz Angeborene Herzfehler sollen wissenschaftliche Studien zu der Thematik initiiert werden.

Weitere Informationen unter: http://leitlinien.dgk.org, www.kompetenznetz-ahf.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

KBV-Chef Gassen bleibt, Feldmann geht

Vorauseilender Gehorsam? Nein danke! Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung beschließt eine neue Satzung und zielt damit auf Minister Gröhes KBV-Gesetz. mehr »

Warum strampeln wirklich das Herz schützt

Eine Studie ergibt: Wer regelmäßig mit dem Fahrrad statt mit dem Auto oder Bus zur Arbeit fährt, senkt sein kardiovaskuläres Risiko. Doch die Forscher fanden auch Ungereimheiten. mehr »

Schaden Eltern damit ihren Kindern?

Was geht in den Köpfen von Kindern vor, wenn sie erfahren, dass der Weihnachtsmann nicht existiert? Forscher sind sich uneinig: Ist der Mythos gut oder schlecht für die kindliche Entwicklung? mehr »