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Ärzte Zeitung online, 22.08.2008

Hilfe für Blue Babies - Herzklappen werden minimalinvasiv implantiert

GÖTTINGEN (eb). Die Lungenschlagader-Klappe des Herzens lässt sich jetzt auch per Katheter implantieren. Brustkorb und Herz der Patienten müssen dabei nicht geöffnet werden. Das neue Verfahren wird jetzt am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen angewendet.

Das Implantat wird mit einem Katheter durch die Leistenvene zum Herzen geführt und dort über einen Ballon aufgespannt.

Foto: Medtronic GmbH

Die neu entwickelte Methode ist deutlich schonender als ein chirurgischer Eingriff und besonders für Kinder mit einer schweren angeborenen Fehlbildung der Herzklappe geeignet. Die Haut dieser so genannten "Blue Babies" verfärbt sich in Folge der krankheitsbedingten Unterversorgung mit Sauerstoff bläulich.

Bei dem Verfahren implantieren Mediziner die so genannte "Melody-Klappe", die aus der Halsvene eines Rindes gewonnen wird. Das gereinigte und zusammengefaltete Implantat ist in einem Gitterröhrchen (Stent) eingearbeitet und wird mit einem Katheter durch die Leistenvene (transfemoral) zum Herzen geführt.

Dort wird es an der vorgesehenen Stelle mittels eines aufblasbaren Ballons entfaltet. Die alte Herzklappe wird dabei an die Gefäßwand gedrückt und verbleibt im Körper. Besonders Kinder mit einem Fehler an der Lungenschlagaderklappe profitieren von der minimal-invasiven Behandlungsmethode.

Jährlich werden rund 600 Blue Babies geboren, die aufgrund der fehlgebildeten Klappe an lebensbedrohlichem Sauerstoffmangel im Blut leiden, erklärt Professor Thomas Paul, Abteilungsdirektor Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin der Universitätsmedizin Göttingen.

Melody-Klappe (hier geschlossen): In ein Gitterröhrchen eingearbeitet, ersetzt sie die defekte Lungenschlagaderklappe bei so genannten "Blue Babies"

Foto: Medtronic GmbH

Die Betroffenen benötigen fast immer eine neue Herzklappe. Bis die jungen Patienten das Erwachsenenalter erreicht haben, muss das Implantat jedoch drei- bis viermal ausgetauscht werden, da es nicht mitwächst. Bei der herkömmlichen Methode kann sich durch die vielen Operationen Narbengewebe bilden. Weitere Eingriffe werden dadurch immer schwieriger.

"Die neue Kathetertechnik schont den Patienten und reduziert eventuelle Risiken wie Infektionen, Blutungen oder Narbenbildung auf ein Minimum", sagt Paul. "Die kleinen Patienten sind außerdem schon nach zwei Tagen wieder auf den Beinen". Grundsätzlich eignet sich das Verfahren für Jugendliche ab einem Körpergewicht von 30 kg, bei denen bereits ein Implantat eingesetzt wurde. Darin kann die Bioprothese besser verankert werden als in körpereigenem Gewebe. Für sehr große oder sehr kleine Herzen ist das Verfahren hingegen nicht geeignet, da das Implantat nur in drei Größen verfügbar ist.

Das Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen ist nach eigenen Angaben bislang die einzige Einrichtung in Norddeutschland, die diese Methode anwendet. Hier wurden bisher zwei Patienten nach dem neuen Verfahren behandelt. In diesem Jahr sind sechs Implantationen geplant.

Mehr zum Thema:
www.herzzentrum-goettingen.de

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