Ärzte Zeitung online, 01.09.2008

Kardiologen: Mäßig viel Wein schützt das Herz - Bier bringt dagegen nichts

MÜNCHEN (eb). Wer mäßig Wein trinkt, hat ein um etwa 30 Prozent reduziertes Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen als ein Abstinenzler. Dieser statistisch signifikante Zusammenhang ließ sich bei Weinmengen von bis zu 150 ml pro Tag nachweisen. Auch der Einfluss von Bier aufs Herz wurde untersucht.

Kardiologen: Mäßig viel Wein schützt das Herz - Bier bringt dagegen nichts

Der Nachweis der positiven Weinwirkung ergibt sich aus einer Meta-Analyse von 13 Studien mit mehr als 209 000 Menschen. Professor Giovanni de Gaetano präsentierte die Daten auf dem Kardiologenkongress ESC in München. Eine ebenfalls erstellte Auswertung von sieben Studien mit mehr als 136 000 Teilnehmern zum Thema Bier ergab jedoch keine signifikanten Hinweise auf die für den Herzschutz optimale Biermenge.

Auch in Sachen Gesamtsterblichkeit habe moderater Weinkonsum eine positive Wirkung, so der italienische Forscher: Die Auswertung der Gesundheitsdaten von einer Millionen Menschen habe gezeigt, dass maßvoller Weinkonsum die Sterblichkeit (Mortalität: das Risiko in einem bestimmten Alter zu sterben) gegenüber Alkoholverzicht um 19 Prozent senkt. Diese statistischen Ergebnisse beziehen sich auf einen Weinkonsum von vier Gläsern pro Tag bei Männern und zwei Gläsern pro Tag bei Frauen.

"Nichtrinker zum Weinkomsum zu animieren, wäre ethisch problematisch"

"Gesunde und Herz-Kreislauf-Patienten, die bereits regelmäßig leichte bis moderat Weintrinker sind, sollten zum Weitertrinken ermuntert werden", so de Gaetanos abschließende Empfehlung auf der Grundlage der heute bekannten wissenschaftlichen Erkenntnisse. "Nichttrinker zum Weinkonsum zu animieren, wäre ethisch problematisch."

Regelmäßig wenig ist besser als selten viel

Wer selten, aber dann sehr viel Alkohol trinkt, lebt gefährlicher als Menschen mit regelmäßigem Alkoholkonsum. Das ergab die zeigte die französisch-irische PRIME-Studie. Seit 1991 bis 1993 wurden 10 416 damals gesunde und im Durchschnitt knapp 55 Jahre alte Männer medizinisch beobachtet und untersucht. Die Schlussfolgerung der Studienautoren: Während regelmäßiger moderater Alkoholkonsum mit einem niedrigen Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten assoziiert ist, hatten Studienteilnehmer, die gelegentlich, dann aber sehr viel tranken (Binge-Drinker), ein höheres Risiko. Die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf die Blutgefäße hängen wohl auch mit den Mustern des Konsums zusammen.

Die Rolle von Wein in der Sekundärprävention

Auf dem ESC-Kongress wurden aber auch eine Reihe von Untersuchungen präsentiert, die Erklärungen für mögliche günstige Auswirkungen von moderatem Weinkonsum auf das Herz-Kreislauf-System von Patienten liefern könnten, die bereits eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten. Patienten, die einen Herzinfarkt überlebt hatten, wiesen bei einem Konsum von einem bis drei Gläsern Wein pro Tag höhere HDL-Cholesterin Werte auf als solche, die gar nicht oder mehr tranken. Das ergab eine Auswertung der französischen RICO-Studie mit 920 Teilnehmern.

Das gute HDL-Cholesterin hat eine gefäßschützende Wirkung. Außerdem hatten die Weinliebhaber geringere Konzentrationen von CRP (C-reaktives Protein) im Blut - CRP gibt Hinweise auf Entzündungsprozesse, die auch im Zusammenhang mit Arteriosklerose eine Rolle spielen.

Auch niederländische Studie belegt Vorteile von Wein

Eine Studie aus den Niederlanden mit 282 Patienten mit Verschlusskrankheiten der Beine nach operativem Entfernen von Gefäßverschlüssen (Endarterektomie) ergab drei Jahre nach der Operation, dass Abstinenzler signifikant häufiger schwere Ereignisse wie Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall hatten oder einen Bypass oder Angioplastie eines Herzkranzgefäßes bekamen als moderate Alkoholtrinker. Die atherosklerotischen Beläge der Gefäßinnenwände enthielten bei Alkohol-Konsumenten signifikant günstigere Blutfett-Zusammensetzungen als bei Nicht-Trinkern.

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