Ärzte Zeitung online, 02.09.2008

Aortenstenose schreitet trotz intensiver Cholesterinsenkung voran

MÜNCHEN (mut). Auch eine aggressive Lipidtherapie bei Patienten mit Aortenklappen-Stenosen kann schweren kardiovaskulären Ereignissen nicht vorbeugen. In einer jetzt publizierten Studie traten solche Ereignisse bei einer Kombitherapie von Ezetimib plus Simvastatin ähnlich häufig auf wie mit Placebo. Allerdings kam es in der Ezetimib/Simvastatin-Gruppe zu deutlich weniger koronar bedingten Ereignissen.

Diese Ergebnisse der Studie SEAS* wurden heute auf dem Europäischen Kardiologenkongress in München vorgestellt und zeitgleich online im Fachblatt "New England Journal of Medicine " publiziert. Wesentliche Daten aus SEAS waren bereits Ende Juli bei einer Pressekonferenz vorgestellt worden.

In die Studie wurden 1873 asymptomatische Patienten mit leicht- bis mittelgradiger Aortenstenose aufgenommen. Sie erhielten im Median 52 Monate eine Kombination aus 40 mg Simvastatin und 10 mg Ezetimib (in Deutschland als Kombinationspräparat Inegy® angeboten) oder aber Placebo. Im Schnitt kam es bei 35 Prozent mit der Kombitherapie und bei 38 Prozent mit Placebo zu schweren kardiovaskulären Ereignissen durch die Klappenerkrankung oder durch Atherosklerose - etwa Klappenersatz, Herzinfarkt, Koronarintervention oder kardiovaskulärer Tod. Der Unterschied war nicht signifikant.

Primär koronar bedingte Ereignisse (sekundärer Endpunkt) waren mit Simvastatin/Ezetimib jedoch signifikant seltener als mit Placebo (Inzidenz: 15,7 versus 20,1 Prozent).

Beunruhigt hat die Autoren der Studie die erhöhte Krebsinzidenz. Sie war mit Simvastatin/Ezetimib über 50 Prozent höher als mit Placebo (2,7 Prozent versus 1,7 Prozent), heißt es in einer weiteren Arbeit in derselben Fachzeitschrift. Allerdings waren die Erkrankungszahlen in der Studie sehr gering, was das Ergebnis verfälscht haben könnte. In einer Analyse von Daten aus zwei derzeit noch laufenden Studien mit über 20 000 Teilnehmern war die Krebsinzidenz dagegen sowohl mit als auch ohne Ezetimib ähnlich hoch (1,7 versus 1,8 Prozent). Aus den Studiendaten lasse sich daher nicht auf eine erhöhte Krebsinzidenz bei einer Ezetimib-Therapie schließen, berichtet der Biostatistiker Professor Richard Peto aus Oxford in Großbritannien.

SEAS* steht für: Simvastatin and Ezetimibe in Aortic Stenosis

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