Ärzte Zeitung online, 10.10.2008

Herzbericht: Weniger Herzinfarkttote, aber deutlich höhere Kosten

HAMBURG (dpa). Der Kampf gegen den Herzinfarkt zeigt Erfolge: Seit 1995 ist die Zahl der Herzinfarkttoten in Deutschland um 10,9 Prozent gesunken. Erkauft wird dieser Fortschritt nach Zahlen des am Freitag in Hamburg vorgestellten Herzberichts 2007 allerdings mit enormen Mehrkosten.

Herzbericht: Weniger Herzinfarkttote, aber deutlich höhere Kosten

Die Zahl der tödlichen Herzinfarkte hat seit 1995 um rund 11 Prozent abgenommen. sebastian kaulitzki©www.fotolia.de

Diagnose und Therapie bei akutem Herzinfarkt sind seit 2002 bei Frauen um rund 63 Prozent und bei Männern sogar um mehr als 70 Prozent teuerer geworden, hieß es bei der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Die Krankheitskosten insgesamt stiegen in dieser Zeit um 5,9 Prozent bei Frauen und um 11,2 Prozent bei Männern, berichtete der Autor des Berichts, Dr. Ernst Bruckenberger. An akutem Herzinfarkt starben 2006 in Deutschland fast 60 000 Menschen.

Auffällig ist nach Bruckenbergers Angaben eine Verlagerung der Todesfälle. Die Zahl der an Herzinfarkt gestorbenen Patienten in Krankenhäusern stieg seit 1995 um 22,6 Prozent, außerhalb sank sie um 23,3 Prozent. "Das ist unter anderem eine Folge der Verbesserung der Notfallversorgung und des Patientenverhaltens."

Trotz aller Fortschritte gibt es keine gleichmäßig gute Versorgung bei Herzkrankheiten in Deutschland

Trotz aller Fortschritte gibt es keine gleichmäßig gute Versorgung bei Herzkrankheiten in Deutschland. "Bei einem Länderranking schneiden Baden-Württemberg, Sachsen und Bremen am besten und Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland und Brandenburg am schlechtesten ab", sagte Bruckenberger. Auch innerhalb einiger Bundesländer gebe es große Differenzen. So bestehe in Bayern ein Süd-Nord-Gefälle.

Bei der Herzchirurgie gibt es eine Trendwende

Der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax, Herz- und Gefäßchirurgie, Professor Arno Krian, wies auf eine Trendumkehr bei herzchirurgischen Leistungen hin. In den vergangenen Jahren habe es eine Konsolidierung auf hohem Niveau gegeben. Von 149 000 Operationen im Jahr 2006 stieg die Zahl zuletzt allerdings auf 157 000 im Jahr 2007 deutlich an.

Erheblich mehr Eingriffe gab es nach Krians Angaben bei der Herzklappenchirurgie und bei Herzschrittmachern. Verstärkt habe sich der Trend zu Operationen ohne Herz-Lungen-Maschine. Auch gelinge es den Ärzten immer häufigerer, auch ältere Patienten ohne größeres Risiko am Herzen zu operieren.

Stichwort Herzbericht

Der Herzbericht ist in diesem Jahr zum 20. Mal erschienen. Verfasser Dr. Ernst Bruckenberger stellt seit 1989 mit umfassenden Statistiken eine Versorgungsanalyse zur Kardiologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. "Da die Zahlen nach einzelnen Bundesländern aufgeschlüsselt sind, ist der Herzbericht zu einer wichtigen Informationsquelle für die Deutsche Herzstiftung, aber auch für die Herzchirurgen und Kardiologen in Klinik und Praxis sowie die politisch Verantwortlichen geworden", schreibt der Chef der Herzstiftung, Professor Hans-Jürgen Becker, in seinem Vorwort.

Aus dem Bericht geht unter anderem hervor, dass 2006 in Deutschland pro 100 000 Einwohner 73 Menschen an akutem Herzinfarkt starben. Davon waren bei 14 Gestorbenen Herzklappenkrankheiten, bei 25 Herzrhythmusstörungen und bei 57 Herzinsuffizienz (Herzschwäche) die Todesursache. Insgesamt wurden 2007 mehr als 91 600 Herzoperationen in Deutschland vorgenommen, fast 74 Prozent der Patienten waren älter als 70 Jahre. Das Verhältnis Männer zu Frauen betrug nicht ganz zwei Drittel zu einem Drittel.

Herzbericht 2007; ISBN: 978-3-00-025373-7

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