Ärzte Zeitung online, 20.03.2009

Ultraschall statt Röntgen: Deutscher Arzt rettet chinesisches Baby

Hamburg/Tianjin (dpa). Mit einem noch ungewöhnlichen Verfahren hat ein deutscher Arzt in der chinesischen Hafenstadt Tianjin einen neugeborenen Jungen gerettet. Das Kind drohte nach Angaben des Arztes wegen einer starken Einengung der Hauptschlagader an Herzversagen zu sterben. Ausschließlich unter Ultraschallkontrolle gelang es dem Deutschen zusammen mit chinesischen Medizinern, die Ader mit einem Stent zu weiten und damit den Blutkreislauf zu stabilisieren.

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) bezeichnete den Eingriff als bislang einmalig. "Wie es aussieht, war es das erste Mal, dass ein solcher Eingriff in dieser Form gelungen ist", kommentierte DGPK-Geschäftsführer Professor Achim A. Schmaltz aus Essen die Rettung des Babys. "In der medizinischen Literatur ist eine solche Methode bislang noch nicht beschrieben worden."

"Weil das Baby in einem sehr kritischen Zustand war, kam eine Operation von vornherein nicht infrage", berichtete Martin Schneider, Chefarzt der Kinderkardiologie im Deutschen Kinderherzzentrum Sankt Augustin bei Bonn, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zwischen der Asklepiosklinik, zu der das Kinderherzzentrum gehört, und den Chinesen gibt es seit geraumer Zeit eine Kooperation. "Das knapp zweieinhalb Kilo schwere Frühgeborene litt gleichzeitig an einer Lebererkrankung. Auch die Niere war in Mitleidenschaft gezogen", sagte Schneider. Deshalb sei eine herkömmliche Katheterbehandlung unter Röntgenkontrolle und mit entsprechendem Kontrastmittel nicht möglich gewesen.

Über die Arterie in der Achselhöhle sei schließlich der Katheter in den Körper eingeführt worden. Per Ultraschall sei dabei der Weg des Katheters und des Stents überwacht worden. Unterstützt wurde Schneider vom chinesischen Klinikteam unter der Leitung von Professor Jianshu Liu. "Die Hauptschlagader war auf etwa einen Millimeter eingeengt. Durch die Stütze konnte sie auf fast viereinhalb Millimeter geweitet werden", sagte Schneider.

In China hoffen die weiterbehandelnden Ärzte jetzt, dass sich die Organe des Kindes wieder erholen, nachdem sie ausreichend mit Blut versorgt werden. "Wenn das Kind größer ist, wird aber eines Tages eine Operation notwendig sein", erläuterte Schneider. "Zunächst ging es darum, das Leben zu retten."

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