Ärzte Zeitung online, 18.09.2009

Forschern gelingt Besiedlung eines Textilimplantates mit Stammzellen

BÖNNIGHEIM (eb). Forschern des Instituts für Hygiene und Biotechnologie (IHB) an den Hohenstein Instituten ist eine optimierte Textilbeschichtung gelungen, die es adulten menschlichen Stammzellen ermöglicht, sich auf der Faseroberfläche von Textilimplantaten ansiedeln.

Die Ansiedlung von Stammzellen auf einem Textil eröffnet für die Regenerationsmedizin weit reichende therapeutische Möglichkeiten. Textilimplantate werden bei Operationen häufig eingesetzt, um verletztes Gewebe zu stabilisieren. So gibt es etwa Herz-Patches aus Biomaterialien, die bei Herz-Operationen auf das geschädigte Herz aufgebracht werden. Die eingebrachten Fremdkörper werden dann nach einer gewissen Zeit vom Körper des Patienten abgebaut.

Ziel der Hohensteiner Forscher ist es, die stabile Besiedlung verschiedenster Textilien mit humanen Stammzellen im Labor zu erreichen und diese dann gezielt in die jeweiligen Zelltypen des Zielgewebes umzuwandeln. Dazu haben sie eine Molekularschicht aus natürlichen Biomaterialien der menschlichen Extrazellularmatrix entwickelt.

Zudem arbeiten die Wissenschaftler derzeit an einer stabilen Farbmarkierung der Stammzellen, um die Zellen auch nach ihrer Differenzierung zu Herz-, Knorpel-, oder Knochenzellen und auch nach Transplantation des besiedelten Textils weiter zu verfolgen.

Stammzellen gelten als großer Hoffnungsträger in der Medizin, da sie die Fähigkeit besitzen, sich in die verschiedensten Zelltypen umzuwandeln. Diese Eigenschaft macht sie besonders interessant zur Wiederherstellung von irreversibel geschädigtem Gewebe, etwa nach einem Herzinfarkt oder bei Verletzungen des Rückenmarks.

Adulte Stammzellen kommen in vielen Geweben des menschlichen Körpers vor und müssen, im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen, nicht aus Embryonen gewonnen werden, was häufig aus ethischen Gründen auf Ablehnung stößt. Die von den Wissenschaftlern verwendeten mesenchymalen Stammzellen sind multipotent, das heißt, sie können sich zum Beispiel in Herzmuskel-, Knochen- oder Knorpelzellen umwandeln.

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