Ärzte Zeitung, 04.11.2009

Herzzentrum in Berlin lagert kostenlos Nabelschnüre ein

Kardiologen hoffen, eines Tages mit Zellen der Nabelschnur Kindern helfen zu können, die einen kongenitalen Herzfehler haben. Dazu gibt es nun eine weitere Möglichkeit für das kostenlose Einfrieren der Nabelschnur.

Von Philipp Grätzel von Grätz

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Nabelschnur-Stammzellen sind begehrt. Deshalb gibt es immer mehr Angebote zur kostenlosen Einlagerung der Nabelschnur.

Foto: Thorsten Lorenz © www.fotolia.de

BERLIN. Von Neugeborenen in der Region Berlin-Brandenburg kann am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) kostenlos die Nabelschnur eingelagert werden. Voraussetzung ist, dass vor der Geburt ein kongenitaler Herzfehler diagnostiziert wurde.

Das neue Angebot des DHZB wird durch die Unterstützung der Nabelschnur-Bank Cryo-Save ermöglicht. Hintergrund ist, dass kongenitale Herzfehler eine interessante Indikation für regenerative Zelltherapien auf Basis von Stammzellen der Nabelschnur oder des Nabelschnurbluts sind.

Dr. Christof Stamm vom Berlin-Brandenburg Center for Regenerative Therapies am DHZB berichtete beim 9. World Congress of Perinatal Medicine in Berlin über die ersten Gehversuche der Herzspezialisten mit Therapien unter Einsatz von Stammzellen des Knochenmarks oder der Nabelschnur. So normalisierte sich am DHZB bei einem 14-jährigen Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie die Auswurffraktion, die zunächst unter 20 Prozent lag, nachdem die Ärzte autologe Knochenmarkzellen an allen erreichbaren Stellen der Herzoberfläche extern aufgetragen hatten. "Wir haben das bei neun weiteren Patienten versucht, allerdings ohne Erfolg", so Stamm. Warum die unkonventionelle Methode bei dem 14-jährigen Patienten funktionierte, ist nicht klar. Vielleicht lag es am jungen Alter und einem sehr regenerationsfähigen Myokard, vermutet Stamm.

Mit der intramyokardialen Injektion von autologen Knochenmarkstammzellen können etwas konstantere Ergebnisse erzielt werden: Hier gebe es einen leichten, aber reproduzierbaren Benefit, so Stamm. Davon, dass das Herz sich vollständig regeneriere, könne aber keine Rede sein.

Große Hoffnungen setzen die Ärzte seit einiger Zeit auf Stammzellen aus dem Nabelschnurblut und auf mesenchymale Stammzellen aus der Nabelschnur selbst. So verlängern menschliche Nabelschnurblut-Stammzellen bei einem Mausmodell nach einem Myokardinfarkt das Überleben. "Sie verbessern die Angiogenese und die Kontraktilität und reduzieren die Infarktgröße", so Stamm bei der von Cryo-Save unterstützten Veranstaltung.

Etwas näher an der Klinik ist die Anzucht von Herzklappen aus Zellen der Nabelschnur. Solche in vitro gezogenen Klappen aus menschlichen Nabelschnurzellen wurden bereits Schafen eingepflanzt und waren dort nach einiger Zeit nicht mehr von "echten" Herzklappen zu unterscheiden.

Diese und ähnliche Experimente sind der Grund, warum DHZB und Cryo-Save bei kongenitalem Herzfehler jetzt die Konservierung der Nabelschnur kostenfrei anbieten. Es könnte nämlich durchaus sein, dass durch weitere wissenschaftliche Fortschritte eine Therapie von Kindern mit kongenitalem Herzfehler unter Zuhilfenahme der eigenen Nabelschnur rascher als erwartet möglich wird.

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