Ärzte Zeitung online, 01.12.2009

Herz-Kreislauf-Sterblichkeit: Große Unterschiede in Europa

FRANKFURT/MAIN (eb). Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind europaweit nach wie vor die Todesursache Nummer eins, obwohl in den meisten Ländern die Sterblichkeitsraten bei diesen Krankheiten zurückgehen. Darauf verweist der aktuelle Bericht "Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa" des von der Europäischen Kommission geförderten EuroHeart-Projekts. Ein Ländervergleich zeigt, dass es nicht nur bei den Sterblichkeitsraten, sondern auch bei den Maßnahmen zur Vorsorge große Unterschiede zwischen einzelnen Staaten gibt.

So ist die Sterbeziffer bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) in der Altersgruppe unter 65 Jahren bei Männern in Ungarn (mit 105 pro 100 000 Einwohner) mehr als sechsmal höher als in Frankreich (17 pro 100 000), bei Frauen in Ungarn sogar mehr als neunmal höher als in Frankreich. In Deutschland liegt sie für Männer bei 33, für Frauen bei acht pro 100 000. Zudem gibt es sehr unterschiedliche Trends: Während die Sterblichkeitsrate bei der KHK in Finnland von 1972 bis 2005 um 76 Prozent sank, ist diese Rate in Griechenland im gleichen Zeitraum um 11 Prozent gestiegen.

Zwar gibt es in allen Ländern hauptverantwortliche Regierungsinstitutionen und weitere Organisationen auf nationaler Ebene, die sich mit der Förderung von Herz-Kreislauf-Gesundheit und der Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten befassen. Zwischen den einzelnen Ländern existieren diesbezüglich jedoch große Unterschiede, was nationale Gesetze und Rechtsvorschriften, Richtlinien, Strategien, Programme oder Leitlinien betrifft. So gibt es zum Beispiel nur in drei Ländern (Deutschland, Frankreich und Irland) Empfehlungen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung, während alle untersuchten Länder außer Deutschland und Griechenland nationale KHK-Richtlinien haben. Auch für weitere Bereiche wie Public Health gibt es in Deutschland keine nationalen Richtlinien. Dieses vermeintlich "schlechte" Ergebnis im internationalen Vergleich hängt jedoch auch damit zusammen, dass zahlreiche gesundheitspolitische Maßnahmen hierzulande in den Zuständigkeitsbereich der Bundesländer fallen und damit bei der Datenerhebung nicht berücksichtigt wurden.

Nationale Programme zur Herz-Kreislauf-Gesundheit haben alle 16 untersuchten Staaten. Dazu gehören etwa Bildungsprogramme zur positiven Beeinflussung des individuellen Gesundheitsverhaltens. Am häufigsten kommen diese in den Bereichen Public Health, Koronare Herzkrankheit, Tabak, Lebensmittel und körperliche Bewegung vor. "Dass sich gesetzgeberische Vorsorgemaßnahmen positiv auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirken können, zeigt sich insbesondere beim Tabakkonsum", sagt Professor Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. "So belegen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, dass es in Ländern und Regionen mit strengen gesetzlichen Regelungen für einen Nichtraucherschutz in der Öffentlichkeit bereits nach einem Jahr zu einem drastischen Rückgang von Herzinfarkten vorwiegend bei Nichtrauchern kam."

Den Bericht "Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa" des EuroHeart-Projekts können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen

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