Ärzte Zeitung online, 23.03.2010

Wanze als Vorbild - neuer Hemmstoff gegen Herzinfarkt und Schlaganfall

WÜRZBURG (eb). Wissenschaftler aus Würzburg haben einen neuen Hemmstoff für Herzinfarkt und Schlaganfall an Mäusen erfolgreich getestet. Nach diesen positiven Ergebnissen wird es jetzt weitere Tests in Kliniken geben.

Für die Raubwanze Triatoma infestans ist es überlebenswichtig, dass das Blut nicht gerinnt, während sie es ihrem Wirt abzapft. Das erreicht sie mit Hilfe eines Proteins. Forscher haben aus dem Protein einen Hemmstoff entwickelt, der künftig vor Schlaganfall und Herzinfarkt schützen soll. Wissenschaftler um Professor Bernhard Nieswandt vom Rudolf-Virchow-Zentrum der Uni Würzburg haben nun den Stoff auf seine Wirksamkeit überprüft und können bestätigen: Das Mittel wirkt, ohne dabei die Blutstillung zu beeinträchtigen (Circulation 2010, online vorab).

Das Team um Nieswandt hatte bereits 2005 einen Schritt in Richtung einer neuen Medikamentengeneration getan. Es identifizierte den Blutgerinnungsfaktor XII, als einen wichtigen Ansatzpunkt zur Entwicklung neuer Mittel. Das Ergebnis der damaligen Studie: Schaltet man in einer Maus das Gen für die Produktion des Proteins Faktor XII aus, kann man in den Gefäßen dieser Tiere unter Laborbedingungen keinen Blutpfropfen mehr erzeugen. Herzinfarkt und Schlaganfall treten nicht mehr auf.

Die Firma CSL Behring aus Marburg machte sich daran, einen Inhibitor gegen das Protein zu entwickeln. Dazu nahmen sie die kleine Wanze Triatoma infestans. Die Wissenschaftler kombinierten das aus dem Mitteldarm der Wanze gewonnene Protein Infestin-4 mit einem menschlichen Eiweiß. Heraus kam der neue Wirkstoff rHA-Infestin-4, der nach einem Schlüssel-Schloss-Prinzip den Faktor XII hemmt.

Die Wirksamkeit des Stoffs wurde daraufhin mit Nieswand in Mausmodellen getestet. Während das Medikament auf der einen Seite keinerlei Thrombusbildung mehr zulässt, beeinträchtigt es auf der anderen Seite die Blutstillung in keiner Weise. "Nach unserem jetzigen Erkenntnisstand glaube ich, dass es sich bei dem Hemmstoff rHA-Infestin-4 um einen Meilenstein in der Behandlung von Herzinfarkt und Schlaganfall handeln könnte", so Nieswandt. Nach Abschluss der Untersuchungen steht dem Hemmstoff rHA-Infestin-4 nun die Untersuchung in einer klinischen Studie bevor.

Zum Abstract der Originalpublikation: "Factor XIIa Inhibitor Recombinant Human Albumin Infestin-4 Abolishes Occlusive Arterial Thrombus Formation Without Affecting Bleeding"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

Die neue Statistik der Bundesärztekammer liegt vor. Sie zeigt, wo die meisten Behandlungsfehler passierten und wie die Schlichterstelle meistens entschied. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »