Ärzte Zeitung online, 09.04.2010

Erwachsene Herzkranke nicht mehr zum Pädiater

MANNHEIM (Rö). Die Versorgung der geschätzt 250 000 Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH) in Deutschland wird laufend verbessert. Derzeit erarbeitet die Task-Force EMAH spezielle Kriterien, die eine Klinik oder eine Praxis für die EMAH-Zertifizierung erfüllen muss.

"Schon 200 Kinderkardiologen und Kardiologen haben die "EMAH"-Zusatzqualifikation erworben", berichtet Professor Günter Breithardt jetzt beim Kardiologenkongress in Mannheim. Breithardt ist Vorsitzender der Task-Force EMAH. "Bislang war es keine Seltenheit, wenn ein erwachsener Patient mit einem angeborenen Herzfehler weiter zu seinem Kinderarzt ging. Zu wenige qualifizierte Ärzte standen in Deutschland zur Verfügung, um diese chronisch kranken Patienten adäquat zu versorgen, und viele von Ihnen fielen in ein Versorgungsloch."

Derzeit erarbeitet die Task-Force EMAH spezielle Kriterien, die eine Klinik oder eine Praxis erfüllen muss. Breithardt: "Die Zertifizierung wird die nächste große Aufgabe, um die Versorgung der Patienten weiter zu verbessern."

Noch in diesem Jahr können Zentren einen Antrag auf Zertifizierung als überregionales oder regionales Zentrum und Praxen einen Antrag auf Zertifizierung als Schwerpunktpraxis stellen. Ein überregionales Zentrum muss strenge Auflagen erfüllen und zum Beispiel außer der Erwachsenenkardiologie eine Kinderkardiologie und Chirurgie für angeborene Herzfehler haben. Eine Schwerpunktpraxis setzt neben der "EMAH"-Qualifikation des Leiters der Praxis eine strukturierte Zusammenarbeit mit einem Zentrum voraus.

Erreichten früher gerade einmal zehn Prozent der Kinder mit schweren angeborenen Herzfehlern das Erwachsenenalter, sind es heute rund 90 Prozent. Deshalb ist in den letzten Jahrzehnten eine völlig neue Patientengruppe entstanden, die in Deutschland auf 250.000 erwachsene Patienten geschätzt wird. Die Versorgung dieser Patienten erfordert spezielles Know-how, über das normale niedergelassene internistische Kardiologen nicht verfügen, während der Kinderkardiologe, der die Patienten im Kindesalter versorgt, mit den Erkrankungen des Erwachsenenalters nicht ausreichend vertraut ist.

Breithardt: "Die Weiterbildung zum EMAH-Arzt zeichnet die betreffenden Ärzte als Spezialisten für Erwachsene mit einem angeborenen Herzfehler aus. Die Zusatzqualifikation EMAH wird - in Anlehnung an die Verfahren zur Erlangung einer Facharztqualifikation - nach Prüfung des bisherigen beruflichen Werdeganges des Antragstellers und erfolgreicher Ablegung einer Prüfung vor einer fachlich gemischten Kommission von den Akademien für Kardiologie und Pädiatrische Kardiologie erteilt."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »