Ärzte Zeitung, 21.06.2010

Aortenaneurysma war Ursache von plötzlichen Schluckstörungen

Bei plötzlich auftretender Dysphagie muss der betroffene Patient sehr schnell einer Diagnostik zugeführt werden. Meist wird die Speise- oder Luftröhre verlegt sein. Es kann aber auch etwas ganz anderes dahinterstecken.

Von Thomas Meißner

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Die CT des Thorax offenbarte ein fast fünf Zentimeter großes, teilthrombosiertes sakkuläres Aneurysma verum des Aortenbogens.

© Springer Medizin

HEILBRONN. Eine 62-jährige Frau konnte seit zwei Tagen weder feste noch flüssige Nahrung zu sich nehmen. Sie war heiser und klagte über thorakale Schmerzen. Das alles war ganz plötzlich losgegangen. Außerdem habe sie fünf Kilogramm abgenommen.

Wegen des Verdachts auf ein Ösophaguskarzinom stellte sie sich daher im Klinikum am Gesundbrunnen Heilbronn vor, berichten Dr. Katrin Rohde und Privatdozent Dr. Uwe Weickert in der Zeitschrift "Der Gastroenterologe" (2010, 5: 261). Zudem ergab sich eine arterielle Hypertonie, eine Hypothyreose und ein Nikotinkonsum von 40 Packungsjahren.

Bei der klinischen Untersuchung fielen vor allem der inspiratorische Stridor sowie ein schleimig-blutiger Auswurf auf. HNO-Ärzte diagnostizierten einen Stimmlippenstillstand links. Auf dem Thorax-Röntgenbild erkannten die Internisten, dass das obere Mediastinum erheblich verbreitert war. Die Computertomografie offenbarte schließlich ein fast fünf Zentimeter großes, teilthrombosiertes sakkuläres Aneurysma verum des Aortenbogens. Es hatte die Speiseröhre und Trachea verdrängt.

Laborchemisch ergab sich zudem der Verdacht auf eine Kollagenose. Herzchirurgen ersetzten das Aortenteilstück bei der Patientin mit einer Gefäßprothese. Allerdings trat danach eine Mediastinitis mit Protheseninsuffizienz auf, woran die Frau starb. Ursachen für derartige Aneurysmen sind die Atherosklerose sowie vor allem bei jungen Patienten Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom. Auch entzündliche Gefäßerkrankungen und rheumatische Erkrankungen oder Infektionen können thorakale Aortenaneurysmen mit bedingen.

Rohde und Weickert betonen, dass bei Risikopatienten, also bei Patienten mit hohem Blutdruck, Bindegewebserkrankungen oder bei fortgeschrittener Atherosklerose, die akute Schluckstörungen aufweisen, auf jeden Fall ein thorakales Aortenaneurysma mit in Erwägung gezogen werden müsse, obwohl das Verschlucken von Fremdkörpern am häufigsten als Ursache vorkomme. Sie empfehlen die rasche Computertomografie, weil damit letztlich auch weitere Differenzialdiagnosen wie die spontane Perforation des Ösophagus (Boerhaave-Syndrom) ausgeschlossen werden können.

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