Ärzte Zeitung online, 31.12.2010

Alkohol - eine Frage der Dosis: Was ist "ein bisschen", was ist "zuviel"?

NEU-ISENBURG (eb). Auch für das kommende Neue Jahr 2011 ist ein guter Vorsatz: Wer bisher auf Genuss und Konsum von Alkohol verzichtet hat, sollte dies auch weiterhin tun. Ein bisschen schadet bekanntlich nicht, häufig ein bisschen zuviel hat aber üble Folgen. Was bedeutet aber "ein bisschen", was ist "zuviel"? Einen Überblick zur Datenlage hat die Jahrestagung 2010 der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft gebracht.

Alkohol - eine Frage der Dosis: Was ist "ein bisschen", was ist "zuviel"?

Rotwein ist gut fürs Herz; andererseits kann Alkohol den Blutdruck erhöhen. Wie so oft macht die Dosis das Gift .

© eyeware / fotolia.com

Die ambivalente Rolle des Alkohols hinsichtlich Entstehung und Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist seit vielen Jahren Gegenstand zahlreicher Diskussionen, erinnert Primarius Professor Herbert Laimer aus Bad Tatzmannsdorf.

Eine inverse Beziehung zwischen leichtem bis moderatem Alkoholkonsum und kardiovaskulärem Risiko sei in zahlreichen epidemiologischen Studien belegt, schreibt Laimer im Kongressjournal "skriptum" (wmw skriptum 6/2010). Der protektive Effekt von Alkohol werde als mitverantwortlich für die günstigen Effekte einer mediterranen Ernährung und des "French Paradoxon" eingeschätzt. Diese günstige Datenlage aus den 1980er- und 1990er-Jahren sei aber zwischenzeitlich immer wieder sehr kontrovers diskutiert worden.

Hinsichtlich der Wirkung von Alkohol auf das Herz erhob sich vor allem die Frage, inwieweit der Benefit des Alkoholkonsums von Ko-Faktoren wie Geschlecht, demografischen Faktoren, Ernährung und sozioökonomischen Eigenschaften beeinflusst wird. Eine häufige Unsicherheit in den Studien ist die Definition des "Nicht-Trinkers" mit einer klaren Abgrenzung zwischen "Ex-Trinker" und "Niemals-Trinker", zumal bei "Ex-Trinkern" eine erhöhte Inzidenz an Komorbidität anzunehmen ist.

Eine kürzlich im JACC erschienene prospektive Studie, in der 245 000 US-Bürger im Schnitt acht Jahre lang hinsichtlich ihres Trinkverhaltens analysiert wurden, scheine aber zu bestätigen, dass der Nutzen eines moderaten Alkoholkonsums auch im Vergleich zu lebenslang Abstinenten und unabhängig von Geschlecht, Alter und anfänglichem Gesundheitszustand gegeben ist, schreibt Laimer.

Hinsichtlich des Dosis-Wirkungsverhaltens besteht offensichtlich eine J-förmige Kurve. Die überwiegende Anzahl der Studien zeigt einen protektiven Effekt von täglich bis zu drei "Standard-Drinks" für Männer und ein bis zwei "Standard-Drinks" für Frauen, einzelne Studien finden jedoch auch kardiovaskulär schützende Effekte bei höherem Alkoholkonsum.

Inhomogene Antworten finden sich auch auf die Frage nach dem Einfluss der unterschiedlichen alkoholischen Getränke. Insgesamt besteht die beste Datenlage für den Weinkonsum, aber es gibt auch zahlreiche Hinweise für einen protektiven Effekt anderer alkoholischer Getränke. Ein günstiges Ergebnis eines niedrigen bis moderaten Konsums von Alkohol per se scheint abgesichert.

Eine besonders Endothelprotektive Rolle wird dem Rotwein zugeschrieben, insbesondere dem im Eichenfass ausgereiften. Hier bringen antioxidative Polyphenole (Resveratrol) und Flavonoide einen zusätzlichen Benefit. Inwieweit diese Substanzen aber als alkoholfreie Supplementierung sinnvoll sind, ist bis dato nicht abgesichert.

Als Mechanismen des protektiven Effekts von Alkohol werden unter anderen diskutiert: Erhöhung des HDL-Cholesterins und des t-Plasminogenaktivators, Thrombozyten-Aggregationshemmung, Absenken von Fibrinogen, Vasodilatation und antioxidative Eigenschaften, erinnert Laimer.

Unumstritten seien allerdings die negativen Mechanismen eines erhöhten Alkoholkonsums bei der Entstehung und des Verlaufs einer arteriellen Hypertonie. Ab einem Alkoholkonsum von 30g/Tag besteht ein linearer Zusammenhang mit einem Anstieg des Blutdrucks von 1 bis 2 mmHg pro zusätzlichen 10g Alkohol pro Tag, die Prävalenz der Hypertonie ist bei einem täglichen Konsum von 30 bis 50g Alkohol auf das Drei- bis Vierfache erhöht. Eine Reduktion des Alkoholkonsums senkt erhöhte Blutdruckwerte signifikant. Die Leitlinien der ESH und ESC (2007) empfehlen für Hypertoniker einen maximalen täglichen Äthanol-Konsum von 20 bis 30g bei Männern beziehungsweise 10 bis 20g bei Frauen, so Laimer.

Erhöhter Alkoholkonsum ist auch verantwortlich für die Entstehung von Arrhythmien, wobei hier das Vorhofflimmern an oberster Stelle steht. Das "Holiday Heart Syndrom" tritt in typischer Weise nach Alkoholbelastung während des Urlaubs oder des freien Wochenendes auf. Chronischer erhöhter Alkoholkonsum kann aber auch zu ventrikulären Arrhythmien, AV-Leitungsstörungen, Schenkelblock und QT-Verlängerungen führen. Auslösend dafür werden eine Supprimierung des Natrium- und Kalziumeinstroms, Elektrolytveränderungen sowie erhöhte Katecholamin-Ausschüttung angenommen.

Ab einem täglichen Alkoholkonsum von mehr als 90g/die über mehr als fünf Jahre sei die Gefahr des Auftretens einer alkoholischen Kardiomyopathie gegeben, berichtet Laimer. Es kommt dabei zu einer toxischen Wirkung auf Mitochondrien und das sarkoplasmatische Retikulum, verstärkter Apoptose, Abnahme der Myozyten-Kontraktilität und schließlich zur diastolischen und systolischen Kontraktionsstörung. Abstinenz kann das Fortschreiten verhindern, weiterer Alkoholkonsum führt zur Progredienz der Herzinsuffizienz mit schlechter Prognose.

Erhöhter Alkoholkonsum könne aber auch durch die Entwicklung einer Hypertriglyzeridämie zum Risikofaktor für die Atherogenese und Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit werden, wobei hier die Höhe der Alkoholdosis individuell sehr unterschiedlich sein kann, so Laimer. So gebe es entsprechend sensitive Patienten, die selbst auf eine sonst als protektiv bezeichnete Alkoholmenge mit massiv ansteigenden Triglyzeriden reagieren und daher zur kompletten Abstinenz angehalten werden sollten.

Laimers Fazit: Zusammenfassend kann aber trotz der teilweise sehr inhomogenen Datenlage angenommen werden, dass sowohl primarpräventiv als auch bei bereits bestehender koronarer Herzkrankheit der tägliche Konsum von zwei bis drei "Standard- Drinks" für den Mann beziehungsweise ein bis zwei für die Frau protektiv sind, wobei freilich die günstigsten Ergebnisse für Wein, insbesondere Rotwein, vorliegen. Dieser Empfehlung schließen sich auch die diversen Fachgesellschaften an.

Es sei an dieser Stelle jedoch nochmals betont, schreibt Laimer, dass die therapeutische Breite des Alkohols eine sehr schmale ist, und ein erhöhter Alkoholkonsum auf mehrfache Weise kardiovaskulär schädlich sein kann. Die überwiegende Todesursache bei Alkoholikern sei aber letztlich nicht Herz-Kreislauf-bedingt, sondern durch Leberzirrhose, Karzinome (Leber, oberer Aerodigestivbereich, kolorektal, Mamma) sowie erhöhte Unfall- und Suizidrate geprägt. Von einer Empfehlung für bisher Abstinente, aus kardiovaskulären Gründen mit dem Alkoholkonsum zu beginnen, müsse daher abgeraten werden.

[31.12.2010, 08:40:40]
Dr. Ralf Hettich 
Impotenz als Folge von Alkoholkonsum
Es ist kein Geheimnis, dass Alkoholgenuss die Männergesundheit und das Leben gefährdet. Aber wenn Sie denken, dass eine Leberzirrhose und Autounfälle die einzigen Risiken für die Männergesundheit sind, die durch Alkohol verursacht werden, dann irren Sie sich: Forscher verbinden mit Alkoholgenuss mehr als 60 Erkrankungen.
Eine Gefahr als Folge von Alkoholkonsum für die Männergesundheit ist Impotenz!

Alkohol ist oft die Ursache für Erektionsstörungen. Zwar kann Alkohol in Maßen genossen, die Erektion fördern. Und ein Glas Bier oder ein Viertel Wein wirkt sich positiv aus, indem die Blutgefäße im Penis erweitert werden und so mehr Blut hineinfließt.

Ein Blutalkoholspiegel von 0,4 bis 0,5 Promille beeinträchtigt schon die Potenz und ab 1 Promille ist die Erektionsfähigkeit meist komplett aufgehoben. Die stimulativen Reize können vorübergehend nicht mehr umgesetzt werden.

Alkoholkonsum führt auch zu einem Mangel an Testosteron. Das weibliche Sexualhormon Östrogen kann durch eine alkoholgeschädigte Leber nicht mehr richtig abgebaut werden und so kommt es bei starken Trinkern zu einem Überschuss an Östrogenen und zu einem Mangel an Testosteron.

Testosteron spielt vor allem bei für die Libido eine Rolle und Testosteron ist auch an den physiologischen Prozessen der Erektion beteiligt.

Auch steigt durch den Alkoholkonsum die Produktion von Prolaktin, einem Sexualhormon. Prolaktin unterdrückt den zentral vermittelten Penisreflex und bewirkt, dass sich die glatte Schwellkörpermuskulatur kontrahiert. Impotenz ist die Folge.

Meist bessern sich die sexuellen Störungen oder verschwinden ganz, wenn der Alkoholgenuss eingestellt wird.

Mit den besten Wünschen für Ihre Männergesundheit

Dr. Ralf Hettich

Mailkontakt: info@ralfhettich..de
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