Ärzte Zeitung online, 03.11.2010

Klappenersatz: Katheter punktet gegen Op

QUEBEC (ob). Neue Studienergebnisse deuten auf mögliche Vorteile des kathetergestützten Klappenersatzes bei schwerer Aortenstenose hin. Bei Patienten mit niedriger Auswurffraktion verbesserte sich die linksventrikuläre Funktion nach perkutaner Aortenklappenimplantation rascher und stärker als nach chirurgischem Klappenersatz.

Perkutaner Klappenersatz: Linksventrikuläre Funktion besser erholt als nach Operation

Transkatheter-Aortenklappen-Implantation: mögliche Vorteile gegenüber chirurgischem Klappenersatz.

© Edwards Lifesciences

Bei Patienten mit symptomatischer Aortenstenose, bei denen eine Operation zu riskant erscheint, wird heute zunehmend die sogenannte Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) als neue Therapiemöglichkeit genutzt.

Dass mit dieser Methode die Mortalität bei Hochrisikopatienten im Vergleich zur konservativen Therapie drastisch reduziert werden kann, ist jüngst in der PARTNER-Studie bewiesen worden (wir berichteten).

Eine Forschergruppe um Dr. Marie-Annick Clavel aus Quebec hat jetzt in einer Studie untersucht, wie sich nach perkutanem und operativem Aortenklappenersatz bei Patienten mit eingeschränkter systolischer Leistungskraft des Herzens die linksventrikuläre Funktion wieder erholt.

Dazu haben die Untersucher bei 283 Patienten mit reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion die echokardiografischen Daten vor und nach entsprechenden Eingriffen gesammelt und analysiert (Circulation 2010; 122: 1943). Auch ein deutsches Zentrum in Münster lieferte Daten.

Bei 200 Patienten wurde die neue Aortenklappe operativ und bei 83 per TAVI-Methode implantiert. Die linksventrikuläre Auswurffraktion vor der Behandlung war mit 34 Prozent in beiden Gruppen gleich niedrig.

Patienten in der TAVI-Gruppe waren erwartungsgemäß älter und kränker als chirurgisch behandelte Patienten. Dennoch zeigte sich die kardiale Hämodynamik in dieser Gruppe rascher und signifikant stärker verbessert als in der Vergleichsgruppe.

Die linksventrikuläre Auswurffraktion erhöhte sich nach TAVI-Behandlung im Schnitt von 34 auf 48 Prozent, nach Operation von 34 auf 41 Prozent (+ 14 Prozent versus + 7 Prozent). In der TAVI-Gruppe hatten nach einem Jahr 58 Prozent aller Patienten eine normale Auswurffraktion (≥ 50 Prozent), der Anteil in der Gruppe mit Operation lag bei 20 Prozent.

Die Autoren führen diese Unterschiede unter anderem darauf zurück, dass mit der perkutanen TAVIMethode die Klappenöffnungsfläche deutlicher verbessert und der Druckgradient über der Aortenklappe stärker gesenkt wurden als bei operativem Klappenersatz.

Einen sogenannten "prosthesis-patient mismatch" (PPM) stellten sie in der TAVI-Gruppe seltener fest als in der Gruppe mit Operation (16 versus 29 Prozent). PPM bezeichnet das Phänomen, dass die Öffnungsfläche der Klappenprothese in Relation zur als Index dienenden Körperoberfläche des Patienten zu klein ist.

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