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Ärzte Zeitung online, 19.11.2010

HDL-Cholesterin mit neuem Medikament dramatisch erhöht

Ein neues Medikament verblüfft mit bis dato kaum für möglich gehaltenen Lipideffekten: Es senkt nicht nur substanziell das LDL-Cholesterin, sondern erhöht zugleich dramatisch das "gute" HDL-Cholesterin um fast 140 Prozent.

HDL-Cholesterin mit neuem Medikament dramatisch erhöht

Showdown im Gefäß: Der "gute" HDL-Engel besiegt das "böse" LDL.

© Albix / fotolia.com

CHICAGO (ob). Mit den Ergebnissen der DEFINE-Studie, die am letzten Tag des Kongresses der American Heart Association (AHA) in Chicago vorgestellt und zeitgleich veröffentlicht worden sind (NEJM 2010 online), sorgte der neue CETP-Hemmer Anacetrapib für reichlich Gesprächsstoff unter den Experten.

Denn in dieser Studie sind bemerkenswerte und beispiellose Veränderungen des Lipidprofils mit Anacetrapib im Vergleich zu Placebo erzielt worden.

Das HDL-Cholesterin der Patienten wurde durch die Behandlung mit 100 mg Anacetrapib pro Tag im Schnitt um 138 Prozent (von 41 mg/dl auf 101 mg/dl) erhöht, das LDL-Cholesterin um 39,8 Prozent (von 81 mg/dl auf 45 mg/dl) verringert.

Diese Effekte waren additiv zu denen einer Statin-Therapie. Die dramatische HDL-Erhöhung liege um ein Vielfaches über dem, was bisher mit anderen CEPT-Hemmern erreicht werden konnte, berichtete Studienleiter Professor Christopher Cannon aus Boston.

In der Studie sind 1623 Patienten mit KHK oder mehreren KHK-Risikofaktoren im Schnitt 18 Monate lang mit Anacetrapib oder Placebo behandelt worden. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Sicherheit von Anacetrapib.

Der Grund: Die klinische Entwicklung eines anderen CETP-Hemmers (Torcetrapib) war vor einiger Zeit beendet worden, nachdem es schon zu Beginn einer großen Studie vermehrt zu Todesfällen und kardiovaskulären Ereignissen gekommen war. Grund könnte eine Blutdruckerhöhung als Folge einer Stimulierung der Aldosteron-Bildung durch Torcetrapib gewesen sein.

In DEFINE gab es kein entsprechendes "Warnsignal": Die Rate kardiovaskulärer Ereignisse war mit 2,0 Prozent versus 2,6 Prozent in der Anacetrapib-Gruppe sogar numerisch niedriger als in der Placebo-Gruppe.

Mit Blick auf koronare Revaskularisationen war ein Trend zugunsten des CETP-Hemmers zu verzeichnen (5 versus 28 Ereignisse). Auch kam es nicht zu einem Blutdruckanstieg oder Veränderungen der Elektrolyt- und Aldosteron-Spiegel.

Es fehlt aber noch der definitive Beweis für die klinische Wirksamkeit dieser neuen lipidmodifizierenden Therapie. Ob das unter Einfluss von Anacetrapib gebildete HDL-Cholesterin wirklich die funktionellen Eigenschaften des "guten" Cholesterins hat und dementsprechend die Mortalität und Morbidität zu reduzieren vermag, soll jetzt in einer großen Studie (REVEAL HPS TIMI-55) geprüft werden.

Sie wird von zwei Forschergruppen in Oxford und Boston mit Unterstützung des Unternehmens MSD in Angriff genommen. Rund 30 000 KHK-Patienten sollen dafür rekrutiert werden.

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Ein erster Schritt - mehr nicht

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