Ärzte Zeitung online, 07.12.2010

Eine neue Technik schärft den Blick beim Einsetzen einer Aortenklappe

MÜNCHEN (eb). Eine neue Visualisierungs- und Steuerungstechnik für Angiografie-Systeme ermöglicht die Implantation einer Ersatzklappe über einen Katheter und erspart Patienten damit eine Operation am offenen Herzen. Davon profitieren vor allem ältere Patienten.

Eine neue Technik schärft den Blick beim Einsetzen einer Aortenklappe

Neue Visualisierungs- und Steuerungstechnik für Angiografiesysteme. Sie ermöglicht die Implantation einer Ersatzklappe über einen Katheter und erspart den Patienten damit eine Operation am offenen Herzen.

© Siemens

Das Verfahren, das Wissenschaftlern von Siemens Healthcare und Corporate Technology entwickelt haben, wurde in Europa bis heute bei mehr als 150 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 78 Jahren angewandt.

Weltweit leiden rund vier Prozent der Menschen, die älter als 65 Jahre sind, an einer Erkrankung der Aortenklappe. Meist wird sie durch die Verkalkung der Klappensegel verursacht.

Rettung bringt der Einsatz einer Aortenklappenprothese: In Europa werden pro Jahr etwa 60 000 solcher operativen Eingriffe vorgenommen. Doch für Zehntausende kommt diese Lösung nicht in Frage, denn viele ältere Menschen sind so schwach, dass sie eine Op am offenen Herzen nicht überleben würden.

Das neue Verfahren basiert auf dem Bildgebungssystem DynaCT von dem Unternehmen. DynaCT liefert sehr detaillierte dreidimensionale Röntgenaufnahmen des Thorax, wie das Unternehmen mitteilt.

Doch um die Aortenklappe sicher und erfolgreich einsetzen zu können, brauchen Chirurgen außer der hohen Bildqualität vor allem eine Lösung, die die Aortenwurzel hinter den Rippen sichtbar macht.

Hier entwickelten die Forscher eine Technik, die das Umfeld der Aortenklappe in einem DynaCT-Datensatz erfasst und segmentiert. Das heißt, sie blendet automatisch alle für die minimal­invasive Op unwichtigen Teile aus, etwa die Rippen.

Wenn die Mediziner die zusammengefaltete Ersatzklappe durch einen Katheter an ihren Bestimmungsort vorschieben, bestimmt eine ebenfalls neue Software von Siemens den optimalen Einsatzwinkel der Klappe.

Diese Informationen sind wichtig, damit die neue Klappe die alte präzise abdeckt, ohne dass Lecks entstehen. Außerdem dürfen die Einmündungen der Koronararterien nicht überdeckt werden, da es sonst sofort zu einem Herzinfarkt kommen würde. Wenn sich die Prothese in genau der richtigen Position befindet, wird sie durch den Ballonkatheter entfaltet und fest an die Aortenwand gepresst.

Die Technik wurde von Siemens Healthcare zusammen mit dem Herzzentrum Leipzig, dem Deutschen Herzzentrum in München und Corporate Technology in Princeton in den USA entwickelt. Sie könnte außer in Europa auch bald in den USA zur Verfügung stehen.

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